Kindergarten Heerstraße Ein Schlummer-Zimmer wie aus einem Kindermärchen

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Schnipp, schnapp – das Band ist ab: Die Ehre des Banddurchschneidens überlässt Bürgermeister Jürgen Troll (Zweiter von rechts) diesmal dem Nachwuchs. Foto: Andreas Gorr

Heimsheim - Ein lichter Raum mit hellen Möbeln und viel Platz zum Toben. Eine Treppe weiter oben ein Spielebereich samt Spielzeug-Herdplatte, Telefon und einer gemütlichen Schlummerecke. Nebenan ein Schlafraum mit gelb und grün bezogenen Bettchen, die aus einem Kindermärchen stammen könnten: Die Erweiterung des Kindergartens Heerstraße in Heimsheim kann sich sehen lassen. Bereits im November hat die neue Gruppe die Räume im hinteren Teil des Gebäudes bezogen, am Freitag hat die Stadt den Anbau offiziell eröffnet.

Anbau war dringend notwendig

Bürgermeister Jürgen Troll betonte noch einmal, wie wichtig die Familienfreundlichkeit für eine Kommune als Standortfaktor sei. Eine Kindergarteneröffnung – egal ob nach einem Neubau oder einer Erweiterung – sei ihm „eine Herzensangelegenheit“. Dass das tägliche Miteinander mit der Baustelle draußen vor der Haustüre nun der Vergangenheit angehört, sei für die Erzieherinnen sicher eine Erleichterung, sagte Ulrich Kiedaisch vom zuständigen Architekturbüro Kiedaisch. „Auch wenn die Kinder die Baufahrzeuge bestimmt vermissen werden“, ergänzte er schmunzelnd.

Zu dem Anbau gehört im Wesentlichen ein neuer Gruppenraum sowie weitere Zusatzräume. Und die waren dringend notwendig, denn der Bedarf in der Stadt an Kinderbetreuungsangeboten ist ungebrochen. Die Jungen und Mädchen – alle zwischen zwei und drei Jahre alt –, die den neuen Raum bezogen haben, waren vorher noch nirgends untergebracht und kommen quasi direkt von der Warteliste. Weiterhin wurde schon vor geraumer Zeit ein Mehrzweckzimmer in der Heerstraße zu einem Gruppenraum umfunktioniert, um weitere Plätze anbieten zu können. Trotzdem sei der Bedarf damit noch nicht gedeckt, so Jürgen Troll. Vor allem nicht auf lange Sicht. Die Landesprognosen, dass die Zahl der Kinder zurückgeht, treffe auf Heimsheim eben nicht zu. Nicht zuletzt das Neubaugebiet Lailberg II wird zusätzlich viele Familien und Kinder in die Schleglerstadt bringen, weshalb dort bereits ein ganz neuer Kindergarten geplant ist.

In diesem Zusammenhang ließ es sich der Bürgermeister nicht nehmen, das gerade wieder heiß diskutierte Thema Windkraft aufzugreifen. Inzwischen zieht sogar die Region Nordschwarzwald, zu der auch Heimsheim gehört, das Gebiet südlich der Stadt für die Ausweisung eines Windkraft-Vorranggebiets in Betracht. Die Entscheidung der Region Stuttgart, dieses Gebiet – nur eben auf der angrenzenden Weil der Städter Gemarkung – auszuwählen, hat in Heimsheim Proteste ausgelöst und sogar eine Bürgerinitiative hervorgerufen. Was das mit dem Kindergartenanbau zu tun hat? Jürgen Troll hat eine Erklärung: Seit Jahren bemühe sich Heimsheim darum, seine Standortfaktoren wie Kinderbetreuung auszubauen. „Und dann wird uns so etwas vor die Tür geknallt.“ Er sehe die Zukunft Heimsheims „bedroht von dem aggressiv-ideologischen Verhalten“ seitens des Landes.

Außenbereich kommt erst später

Dem Spaß der Kinder an ihrer neuen Unterkunft wird das fürs Erste wohl keinen Abbruch tun. Schon eher womöglich der unfertige Außenbereich. Der kann nämlich erst nach den Sommerferien ausgestaltet werden. Da von vielen Seiten noch Wünsche an das Architekturbüro herangetragen worden waren, wurde der Bereich noch einmal komplett überplant, berichtete Kiedaisch. Die Ausschreibung läuft gerade. Trotzdem steht ein Teil des Außengeländes auch weiterhin zum Spielen zur Verfügung.

Die Kosten für den Anbau liegen bei rund 850­ 000 Euro. Ganz zu Anfang war die Stadt von knapp 700 000 Euro ausgegangen. Dass sich das nicht einhalten ließ, stellte sich schon sehr bald heraus. Der ungewöhnlich weiche Boden machte eine spezielle Gründung und Dämmung notwendig.

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