Kinderbetreuung in Friolzheim Viele Fragen und „Bauchschmerzen“ bleiben

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Mehr als 100 Interessierte möchten an dem Infoabend mehr über die Zukunft der Kinderbetreuung erfahren. Foto: Andreas Gorr

Friolzheim - Der Infoabend für Eltern in Friolzheim am Donnerstag nimmt einen denkbar ungünstigen Start: Er beginnt mit dem Hinweis des Bürgermeisters Michael Seiß auf das Hausrecht der Gemeinde in der Zehntscheune – und darauf, dass spontane Einwürfe und Beleidigungen nicht zugelassen würden. Einige Eltern wechseln daraufhin ungläubige Blicke. Trotzdem verläuft der weitere Abend in ruhigen Bahnen – aber ebenso mit zahlreichen, auch sehr kritischen Nachfragen. Am Ende können einige Fragen beantwortet werden, bis zuletzt äußern jedoch noch mehrere Besucher ihr Unbehagen.

Der Gemeinderat hatte am 19. März beschlossen, die Trägerschaft für die Betreuung von Grundschulkindern von der VHS an den Verein Honigtopf aus Ispringen abzugeben. Zu den Gründen zählte unter anderem, dass Honigtopf auch alle Kinder von der Warteliste aufnehmen kann, die Chance auf längere Kernzeitbetreuung und flexiblere Buchungsmöglichkeiten. Auch die Kosten für Gemeinde und Eltern spielten eine Rolle. Der Wechsel hatte im Ort für Unmut gesorgt. Elternvertreter bemängelten, dass sie in die Entscheidungsfindung nie einbezogen wurden. Auch trieben und treiben die Eltern Sorgen um, weil der Verein sich nicht an die Vorgaben des Kommunalverbands für Jugend und Soziales halten muss. Es gibt zum Beispiel keine Begrenzung der Kinderzahl in Gruppen, Betreuer müssen keine pädagogische Fortbildung oder Ausbildung gemacht haben.

Eltern befürchten Überbelegung der Räume

All diese Punkte kamen an dem Infoabend in der prall gefüllten Zehntscheune noch einmal zur Sprache. Seit Oktober habe es keinen Austausch mehr mit dem Elternbeirat gegeben, bemängelte zum Beispiel Jane Brosch aus der Hortvertretung und widersprach der Aussage von Bürgermeister Seiß im Vorfeld, dass die Suche nach Alternativen stets offen kommuniziert worden sei. „Diese Diskussion ist völlig an mir vorübergezogen“, bemerkte eine andere Zuhörerin. Tatsächlich wurde über den konkreten Wechsel erstmals in der entscheidenden Ratssitzung im März öffentlich diskutiert.

Die Frage, wo die zusätzlichen Kinder von der Warteliste untergebracht werden sollen, bewegte ebenfalls einige Besucher. Der Grund: Sie befürchteten eine Überbelegung mit zu vielen Kindern in einem Zimmer. Momentan gibt es vier geeignete Räume, in denen etwa 100 Kinder in der Kernzeit- und Hortbetreuung sind und die nach derzeitigem Standard voll wären. Als Übergang könnten Klassenräume, zum Beispiel für Hausaufgabenbetreuung, oder das Jugendhaus eine Option sein, hieß es von Michael Seiß. Das zog weitere Fragen nach sich: Zum Beispiel, warum es kein erweitertes Konzept mit der VHS gegeben habe, wenn doch offenbar Räume zur Verfügung stünden. „Hatten die kein Personal?“, wollte ein Zuhörer wissen. Doch das war nicht das Problem. Nur entsprechen Klassenzimmer nicht den Anforderungen des KVJS, die die VHS mit dem Hort erfüllt.

Betreuung ist keine Pflichtaufgabe

Mehr als deutlich machte Michael Seiß, dass bei Schulkindern keine Verpflichtung für die Gemeinde bestehe, außerhalb der Schulzeit eine Betreuung bereitzustellen. „Das ist ein freiwilliges Angebot, das Sie als Eltern nutzen können, es aber nicht müssen“, sagte er. Diese Aussagen mit dem „erhobenen Zeigefinger“ gefielen einer anwesenden Mutter nicht besonders. „Friolzheim hat damals viele junge Familien hergelockt“, sagte sie, indem es mit dem guten Betreuungsangebot für sich geworben habe. Nach ihrer Ansicht bestehe somit zumindest eine moralische Verpflichtung, ein entsprechendes Angebot bereitzuhalten.

Alfred Soltner, dem Vorsitzenden von Honigtopf e.V., kam an diesem Abend die wenig dankbare Aufgabe zu, in der angespannten Stimmung das Konzept seines Vereins vorzustellen. Von Einzelnen wurde er sogar persönlich und übertrieben scharf angegangen. Die meisten Eltern aber wollten vor allem Näheres über die Angebote und das Vorgehen des Vereins erfahren.

Aktiv in sieben Enzkreiskommunen

Dieser ist bereits in sieben anderen Enzkreiskommunen aktiv und arbeitet fast ausschließlich mit Helfern aus den jeweiligen Orten, zum Beispiel Müttern oder ehemaligen Pädagogen, die die Kinder dann betreuen. Eine Sorge kristallisierte sich bei mehreren Eltern heraus. „Ich glaube Ihnen, dass Sie sehr bemüht sind und das Beste für die Kinder wollen“, sagte eine Mutter. Aber wie andere bezweifelte sie, ob ein kleiner Verein mit nur einem einzigen Vorstandsmitglied dieser Aufgabe gewachsen sei. Immerhin gehe es hier nicht um eine kleine Gruppe mit zehn Kindern, sondern um mindestens 100 zusätzliche Kinder, für die es noch keine einzige Betreuungskraft gebe. Dass eine Fortbildung für die Betreuer nur optional ist, bereitete ebenfalls einigen „Bauchschmerzen“. In Anbetracht der neuen Situation habe der Verein vor, sich entsprechend zu erweitern, kündigte Soltner an. Auch mit der Mitarbeitersuche habe es noch immer geklappt.

„Ich denke, dass wir anfangen konnten, die Sorgen der Eltern ein wenig auszuräumen, aber es sind natürlich noch Fragen offen“, resümiert er im Anschluss an die Sitzung gegenüber unserer Zeitung. Jane Brosch von der Hort-Elternvertretung sieht das etwas kritischer: „Der gestrige Abend war für uns sehr enttäuschend. Viele Fragen konnten gar nicht oder nur unzureichend beantwortet werden.“ Insgesamt habe man die Wertschätzung von pädagogischen Kräften sehr vermisst. In Bezug auf die Gemeinde und den Bürgermeister spricht sie gar von einem Vertrauensverlust. Nichtsdestotrotz gehen für den Verein die Vorbereitungen jetzt in die heiße Phase. Denn der Startschuss fällt zu den Sommerferien. „Wir legen jetzt so richtig los, damit wir all das umsetzen können, was wir angekündigt haben“, so Soltner.

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