Karl Schäfer aus Weissach Der Weissacher Weihnachts-Drechsler

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„Drechseln macht mir Spaß“,sagt Karl Schäfer. Seit er im Ruhestand ist, steht er an seiner großen Drechselbank. Foto: factum/Granville

Weissach - Eine bunte Palette an Farben hat Karl Schäfer in seiner kleinen Werkstatt stehen. Nein, das sind keine Wasserfarben, auch keine Spraydosen. Was hier braun und rot, ja sogar gelb, grün und violett herausblitzt, das ist Holz. Karl Schäfer zieht die Klötze aus dem Regal und freut sich. „Das rote Stück ist Rosenholz“, erkennt er sofort. „Und das violette ist Amaranth.“

Oder das grüne Stück, aus dem Holz einer Robinie. „Da kommen die tollsten Maserungen raus“, stellt er dann immer wieder fest. Dann nämlich, wenn Karl Schäfer die Stücke verarbeitet und seine Kunststücke daraus macht, die jedes Jahr auf dem Nikolausmarkt in Weissach zu haben sind. Damit das alles klappt, ist bei ihm das ganze Jahr über ein bisschen Weihnachten. Viel Arbeit steckt in all der Holzkunst, den Schalen, Tellern, Kerzenständern und dem Spielzeug. All das verwandelt sich unter Schäfers Händen von den klobigen Holzstücken in wunderbar filigrane, geschwungene Gegenstände.

Vasen, Schüsseln und Bauteile für die Spielautos und -bagger

Eine große Maschine hat Karl Schäfer dafür in seiner kleinen Werkstatt stehen, die er im Keller seines Hauses in Weissach eingerichtet hat. Er drechselt damit – und das heißt: Das Holz dreht sich schnell um die eigene Achse und Schäfer hantiert mit einem Stück Eisen, wobei das Prinzip eigentlich ganz einfach ist. „Das, was nicht hingehört, muss weg“, erklärt Schäfer. Rund Teile entstehen dann, zum Beispiel fertige Vasen und Schüsseln, oder Bauteile für die Spielautos und -bagger. „Das Spielzeug ist der Renner“, weiß er aus Erfahrung, davon muss er immer viel herstellen. Begehrt sind auch die Gebrauchsgegenstände wie Salatbesteck oder Pizzaroller.

Zehn Jahre ist es jetzt her, da ging Karl Schäfer, der Polizist und Rutesheimer Revierleiter, in Pension. Geschnitzt hatte er damals schon lange, vom Schwiegervater wurde er damit einst angesteckt. „2008 habe ich mir dann die Drechselbank gekauft“, erinnert er sich. „Drechseln hat mich schon immer fasziniert.“ Bei wenigen Handwerksarten ist so schnell eine so schöne Form erkennbar. Und dann ist da natürlich das Holz – in allen Farben. „Wenn man drechselt, erkennt man auf einmal die Maserungen und Muster des Holzes, die vorher nicht sichtbar waren.“

Als hätte er ein Schachbrett auf eine der Schüsseln gemalt, scheint es, dabei ist es in diesem Fall einfach nur ein Pilz. Gestocktes Buchenholz, erklärt Karl Schäfer. Gestockt deshalb, weil das Holz ein Jahr gelegen ist und sich der Pilz ausbilden konnte. „Wie lebendig das Holz ist, das hat mich immer fasziniert“, sagt er und lacht.

Seltene und bunte Hölzer

Das Drechseln ist der eine Teil der Arbeit. Die seltenen und bunten Hölzer zu sammeln, der andere. Schäfer kennt alle Tricks, und die Weissacher kennen ihren Karl. „Wenn Landschaftsgärtner oder die Waldarbeiter einen schönen Baum fällen, dann rufen sich mich an“, berichtet er und zeigt auf eine der Schalen. „Das ist die Kastanie vom Weissacher Friedhof gewesen“, sagt er zum Beispiel. Ein anderer Weissacher hat ein Grundstück in Italien und bringt von dort Olive mit, sein Lieblingsholz. Und dass es im Bonlander Wald in Weissach einen Mammutbaum gibt, das weiß er natürlich auch.

Am Samstag dann landen Mammut, Kastanie und Co. auf dem Nikolausmarkt, wo Karl Schäfer mit seinen Drechselarbeiten mittlerweile eine Koryphäe ist. „Da richte ich schon eine halbe Woche vorher die Garage meines Schwagers her“, berichtet er. Bestimmt 1000 Teile hat er dann zum Verkauf da. Stammkunden hat er viele, kein Wunder. Die Preise sind in Ordnung, verdienen will er nichts. Das, was übrig bleibt, das spendet der 70-Jährige. „Drechseln macht mir Spaß“, sagt er.

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