Informatikunterricht in Korntal-Münchingen Große Pläne mit dem Roboter Capital

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Die Realschüler Chris Allmendinger (links) und Tim Seyfert finden es super, dass sie im Informatikunterricht Roboter zusammenbauen und diese programmieren dürfen. Zwei Monate lang werden die Siebstklässler lernen, wie die rollenden Gefährte denken. Foto: factum/Granville

Korntal-Münchingen - Anil und Devrim, zwölf und 13 Jahre alt, nennen ihren Roboter Capital. So heißt ein Rapper aus Berlin, den die Schüler der Realschule Korntal-Münchingen gern hören. Mit Capital haben die Siebtklässler große Pläne: „Er soll mit einem anderen Roboter kämpfen – und gewinnen“, sagt Devrim. Dass Roboter in der Lage sind zu kämpfen, haben Anil und er auf der Videoplattform Youtube gesehen. „Das wird super“, schwärmen sie.

Noch sind Capitals Aktivitäten aber vergleichsweise einfach: Er fährt zum Beispiel im Viereck durch das Klassenzimmer. Der aus Legosteinen zusammengebaute, rollende Gefährte muss – wie die anderen sieben Roboter im Raum auch – noch viel lernen. Er tut nur das, was die Realschüler ihm im Informatikunterricht beibringen. Zu zweit sitzen sie dafür am Computer und geben Befehle ein. Diese erhält der Roboter über eine WLAN-Verbindung.

Sobald die Schüler die nötigen Befehle eingetippt haben, setzen sie sich zu ihrem Roboter auf den Boden und blicken ihn gespannt an. Haben sie den kleinen Kerl richtig programmiert? Führt er tatsächlich die gewünschten Bewegungen aus, klatschen die Schüler erfreut in die Hände. Und flitzen zu Matthias Drexler, damit er ihnen eine neue Aufgabe stellt. „Mithilfe der Roboter lernen die Schüler die Grundlagen des Programmierens“, erklärt der 31 Jahre alte Referendar. Sie lernen aber auch die Denkweise von Robotern kennen. „Die Systeme können sich nicht wie Menschen einen Überblick über eine Situation verschaffen, sondern sie arbeiten Schritt für Schritt“, sagt Drexler. Weigert sich ein Roboter, einen Befehl auszuführen, müssen die Schüler die Ursache finden. „Die Fähigkeit zu analysieren und Probleme zu lösen, ist in technischen wie informatischen Berufen von großer Bedeutung“, sagt Drexler.

Niedrige Hemmschwelle

Angesichts der Digitalisierung der Arbeitswelt findet er es grundsätzlich wichtig, dass Schüler sich frühzeitig solche Kenntnisse und solches Wissen über die digitalisierte Technik aneignen. Roboter faszinieren zudem auch Mädchen und IT-Muffel. Drexler stellt fest: „Die Hemmungen im Umgang mit Informatik und Technik müssen verschwinden. Bei Robotern ist die Hemmschwelle niedrig, weil die Schüler spielerisch mit ihnen arbeiten.“

Dass die Realschule im Unterricht überhaupt Roboter einsetzen kann, verdankt sie einer Spende der Firma Gretsch-Unitas Baubeschläge mit Sitz in Ditzingen. Das Unternehmen, das mit der Realschule seit 2014 kooperiert, hat ihr acht Lego-Baukästen im Wert von insgesamt 5000 Euro geschenkt. Nicht nur deshalb, weil die Steuerung auf den Prüfständen des Unternehmens auf einer vergleichbaren Software basiert: „Durch die Förderung von kritischem Denken und Kreativität werden die Schüler an die Anforderungen eines Industrieunternehmens herangeführt“, begründet Kevin Neumann, der Gruppenleiter Entwicklung und Konstruktion, das Engagement. „Es werden praxisorientierte Aufgaben vermittelt und keine graue Theorie.“

Mehr Informatikunterricht für alle

Das Ziel, die Schüler für eine Ausbildung in einem IT-Beruf fit zu machen, verfolgt die Realschule seit mehr als zehn Jahren. Seit 2006 haben alle Schüler Informatikunterricht. Neben dem Referendar Drexler lehren ein IT-Lehrer sowie „sehr IT-affine“ Pädagogen das Fach, sagt die Rektorin Astrid Awad. Sie benötigten dringend eine Fortbildung. „Der IT-Bereich unterliegt einem ständigen Wandel. Wir müssen auf dem neuen Stand bleiben“, sagt Awad.

Mit ihrem Ansatz nimmt die Realschule eine Vorreiterrolle ein. Wegen des Lehrermangels haben in Baden-Württemberg nur Siebtklässler an Gymnasien Informatikunterricht – seit diesem Schuljahr. Das soll sich ändern, denn das Land bessert nach: An diesem Dienstag bringt die Kultusministerin Susanne Eisenmann im Ministerrat eine Kabinettsvorlage ein, die den Ausbau der Informatik vorsieht. Der „Aufbaukurs Informatik“ wird nächstes Schuljahr auf alle weiterführenden Schulen ausgedehnt. An Haupt-, Werkreal- und Realschulen wird in den Klassen acht bis zehn das Wahlfach Informatik eingeführt, an Gemeinschaftsschulen und Gymnasien ein „Profilfach Informatik, Mathematik, Physik“ (IMP). Experten kritisieren schon lange, dass Schulen in Deutschland zu wenig auf die digitale Welt vorbereiten.

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