IMP am Gymnasium „Wir müssen die digitalisierte Welt verstehen“

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Rolf Bayer (rechts) macht sich für das neue Fach stark, das seine Kollegen – wie hier linls David Barth – einmal unterrichten werden. Foto: factum/Bach

Weil der Stadt - Die Profile der Schulen unterscheiden sich zunehmend. Das Rutesheimer Gymnasium unterrichtet in neun Jahren, in Renningen hat man erfolgreich einen bilingualen Zug eingeführt, bei dem Geografie, Biologie und Geschichte in Englisch unterrichtet werden. Der Weil der Städter Direktor Rolf Bayer will sein Spektrum im naturwissenschaftlichen Bereich erweitern, erläutert er im Interview.

Herr Bayer, früher hat man von humanistischen und naturwissenschaftlichen Gym­nasien gesprochen. Das JKG ist jetzt ein ­naturwissenschaftliches Gymnasium?
Nein, bis vor etwa zehn Jahren hat es verschiedene Züge und Profile an einem Gymnasium gegeben – die haben wir heute nicht mehr. Heute wählen die Schülerinnen und Schüler von Klasse 8 bis 10 entweder Spanisch oder das Fach „Naturwissenschaft und Technik“ (NwT) hinzu, alle anderen Fächer werden gleich unterrichtet. Künftig können die Schüler jetzt eben noch IMP als dritte Möglichkeit wählen, wenn das Regierungspräsidium dem Antrag des Gemeinderats zustimmt.
Was ist der Unterschied zwischen NwT und IMP?
NwT ist ein Fächerverbund, in welchem wir projektbezogen und praktisch arbeiten. Zum Beispiel mit Robotern, da spielt Elek­tronik eine Rolle. Ein anderes Thema ist der Brückenbau. Das erörtern wir erst theoretisch, dann bauen wir die Brücken handwerklich nach. Im Vergleich dazu ist das neue Fach IMP theoretischer.
Es gibt doch Mathematik und Physik schon an der Schule.
Ein Vorwurf, den die Universitäten uns als Gymnasien oft machen, ist, dass wir mehr rechnen und zu wenig Mathematik machen. Das heißt: Wir zeigen eine Rechenvorschrift, und die Schüler rechnen es dann nach. In IMP werden wir schon in der ­Mittelstufe beginnen, mehr Mathematik im eigentlichen Sinn zu machen.
Was heißt das konkret?
Ein Beispiel wäre die Kryptologie, da fragen wir dann, wie die Prüfziffer bei der Internationalen Bankkontonummer entsteht. Oder nehmen Sie, ganz aktuell, den Hackerangriff auf die Bundesregierung. Wie funktioniert so ein Netzwerk, warum ist das abgeschlossen und warum kann trotzdem jemand eindringen? Das brauchen wir, um die digitalisierte Welt zu ­verstehen. In IMP werden dafür die Grundlagen erläutert.
Und Kepler könnte auch wieder eine größere Rolle spielen?
Ja, es hat mir fast das Herz gebrochen, als die intensive Auseinandersetzung mit den Kepler’schen Gesetzen aus dem Lehrplan gestrichen wurden. In IMP haben wir jetzt wieder die Möglichkeit die Formeln genau zu untersuchen, insbesondere das dritte Kepler’sche Gesetz steht im IMP-Lehrplan.
Besteht bei den Schülern Interesse an einem so theoretischen Fach?
Ja, das Interesse an der Informatik ist groß, das merken wir an unserer Robotik- und Modellflug-AG. Alle Schüler haben in Klasse 5 einen Grundkurs in Medienbildung und in Stufe 7 einen Aufbau-Kurs Informatik, sie sind also schon vorbereitet.
Werden die Naturwissenschaften am Weil der Städter Gymnasium damit wichtiger?
Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in Weil der Stadt breit aufgestellt sein müssen, da wir hier das einzige Gymnasium sind. IMP ist wichtig, gerade bei der Digitalisierung haben wir Schulen in Baden-Württemberg Nachholbedarf, da muss ­endlich etwas passieren. Mir ist aber ganz wichtig, dass das keine Konkurrenz zum sprachlichen Bereich ist. Auch da bleiben wir stark – wir haben eine Chinesisch-AG, die Cambridge-AG, vier Theater-AGs, einen Chor.
Sie sind auch Modellschule für Informatik in der Oberstufe. Wie läuft das an?
Sehr gut, 13 Schüler haben seit diesem Schuljahr in der Oberstufe Informatik als Hauptfach und später haben sie die ­Möglichkeit, in Informatik auch die Abiturprüfung abzulegen.
Ist diese Profilierung auch ein Zeichen, dass der Konkurrenzdruck zwischen den Schulen – bei abnehmenden Schülerzahlen – größer wird?
Nein, zum Glück haben wir in Weil der Stadt alle Schularten, die es gibt. Wir müssen als Stadt Weil der Stadt attraktiv bleiben – und dazu gehört eine vielfältige Schullandschaft. Deshalb habe ich damals auch die Einführung der Gemeinschaftsschule hier unterstützt.
Und die Konkurrenz zwischen den Gymnasien? Spüren Sie das G 9 in Rutesheim?
Nein. Es gibt Schulwechsler – in alle Richtungen. Wenn die Eltern pendeln, dann gehen Schüler auch mal in Nachbarstädte auf die Schule. Aber Rutesheim ist doch ein Stückchen entfernt, das spüren wir nicht.
Die Weil der Städter Stadtverwaltung wird jetzt den Antrag für IMP beim Regierungspräsidium einreichen. Wie wahrscheinlich ist es, dass es auch klappt?
Ich habe nachgefragt, was die Kriterien sind. Wenn Schulen in Konkurrenz stehen – wie zum Beispiel in Leonberg – dann könnte nur eine davon dieses Fach bekommen. Das ist aber bei uns nicht der Fall. Wenn der Antrag genehmigt wird, geht es im kommenden Schuljahr los. Das heißt, die jetzigen Siebtklässler wären die ersten, die IMP wählen können.
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