Hemmingens Bürgermeister Thomas Schäfer Ich will die ambulante Pflege stärken“

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Thomas Schäfer will Bürgermeister in Hemmingen bleiben. Foto: factum/Granville

Hemmingen - Thomas Schäfer möchte weitere acht Jahre die Geschicke der Gemeinde Hemmingen lenken. Im Interview spricht der 35-Jährige über Geschafftes, Geplantes, Enttäuschungen und Posaunen.

Herr Schäfer, welches Ziel haben Sie sich für den Wahltag gesetzt – 70 oder 92 Prozent?
Mehr als 90 Prozent wären schon schön. Und eine Wahlbeteiligung von mehr als 30 Prozent. In acht Jahren tritt man unwillkürlich dem einen oder anderen auf die Füße. Vielleicht bringen einige am 17. Dezember ihren Unmut zum Ausdruck.
Machen Ihre Mitbewerber Sie nervös?
Nein. Wenn ein Kandidat sich zum 35. Mal bewirbt oder eine Kandidatin bei mehreren Wahlen insbesondere im Kreis Böblingen auftritt, kann ein Wähler das sicherlich werten.
Nennenswerten Wahlkampf haben Sie also nicht betrieben?
Es gab keine großen Wahlveranstaltungen, doch habe ich schon den Anspruch, den Bürgern eine Leistungsbilanz zu zeigen. Ich habe eine Homepage, und eine Grafikerin, die ich seit Kindertagen kenne, hat einen Flyer über mich und meine Arbeit gestaltet. Den verteile ich bis zum Wahltag im Ort.
Wohin hat sich Hemmingen seit dem Ende der Ära ihres Vorgängers Nafz entwickelt?
Die Gemeinde ist durch das lang diskutierte Neubaugebiet Hälde gewachsen. Bei der Nahwärmeversorgung ist uns einiges gelungen. Wir haben den Ausbau und die Ideen des privaten Betreibers unterstützt und kommunale Liegenschaften ans Netz angeschlossen. Unser Konzept, wie man lokal die Energiewende umsetzt und CO2 spart, strahlt über Hemmingen hinaus. Schon einige europäische Besucher haben sich das hier vor Ort angeschaut.
Welche Entwicklungen stehen für den Bürgermeister Thomas Schäfer?
Sicher der weitere Ausbau der Kinderbetreuung. Für die Feuerwehr haben wir einen Bedarfsplan erstellt, und das Gerätehaus wird derzeit neu gebaut. Auch beim Breitband haben wir Verbesserungen erzielt. Durch den Ausbau von Neckarcom und Unitymedia kommt nun fast jeder im Ort in den Genuss eines adäquaten Internet-Anschlusses. Glasfaser in jedem Gebäude muss ein mittelfristiges Ziel sein. Etwas Besonderes war der Bau des Familienfreizeitplatzes, der mit großer Beteiligung geplant und umgesetzt wurde. Es freut mich, dass sich die Stadt Ditzingen in der aktuellen Diskussion um einen Platz für Jugendliche auch nach Hemmingen orientiert.
Welche Entscheidung bereuen Sie?
Es gab eher Enttäuschungen, zum Beispiel darüber, dass die Nordrandstraße nicht kam. Sie hätte den innerörtlichen Verkehr entlastet. Die Entscheidung kam zwar vom Land. Doch wenn man sieht, wie Heimerdingen bei der Ortsumgehung auf sich aufmerksam macht, hätten wir uns vielleicht trotzdem mehr auf die Hinterfüße stellen müssen.
Welche Ziele sind gescheitert?
Ich habe wenig versprochen und das, was ich versprochen habe, habe ich gehalten. Manches geht leider nur langsam voran. Hätten wir gewusst, wie langsam wir bei der Bahnunterführung in der Hälde mit den Entscheidungsträgern vorankommen, hätten wir ein Jahr früher mit der Planung angefangen. Diese Entwicklung haben wir unterschätzt. Auch der Vollausbau der Strohgäubahn läuft zäh. Doch eine einzelne Kommune hat darauf wenig Einfluss.
Was tun Sie in Ihrer Freizeit, um solche Enttäuschungen zumindest kurz zu vergessen?
Das Gemeindeleben macht einen erheblichen Teil meiner Freizeit aus. Daneben mache ich gern Ausflüge in die nähere Umgebung, nach Ludwigsburg oder Stuttgart. Auch für Radtouren bietet unsere Region viele Möglichkeiten. Vom Radfahren abgesehen treibe ich weniger Sport, als mir lieb ist. Ich höre auch gern Musik, von klassisch bis modern alles, und auch Kunst interessiert mich – aber ohne vergeistigt zu sein. Entweder gefällt mir die Kunst oder nicht.
Spielen Sie auch noch im Posaunenchor?
Zuletzt an Ostern. Wahrscheinlich bin ich wieder an Weihnachten beim Kurrende-Blasen im Einsatz. Mit diesem Auftritt fängt Weihnachten für mich an.
Sie sind CDU-Mitglied. Sehen Sie sich trotzdem als Moderator und Vermittler zwischen den politisch konkurrierenden Fraktionen?
Es gibt Situationen, in denen ich nach meiner Überzeugung und nicht mit der Mehrheit abstimme, zuletzt mit der SPD beim Gemeindeentwicklungsplan, den ich zum Abschluss bringen will. Auch für die Gemeinschaftsschule ist die CDU im Gemeinderat weniger zu begeistern, als ich es bin. Dennoch ist man durch eine Parteimitgliedschaft ein Stückweit berechenbar, weil man ein gewisses Profil hat.
Welche großen Themen haben Sie sich für die zweite Amtszeit vorgenommen?
Die Kinderbetreuung beschäftigt uns weiter. Sobald die Hälde komplett bewohnt ist, schreiben wir die Kindergartenbedarfsplanung fort und überlegen auch, was mit der 40 Jahre alten Kita Schlosspark passiert. Ich werde mich für den Ausbau der Altenpflege einsetzen, denn bis zum Jahr 2025 fehlen Hemmingen nach dem Kreispflegeplan rechnerisch 50 Plätze. Damit Menschen möglichst lange zuhause wohnen können, möchte ich die ambulante Pflege stärken und eine Tagespflege einrichten. Innerörtlich haben wir im Bereich des Bahnhofs noch freie Flächen mit Potenzial, die ich entwickeln möchte.
Auch 2018 ist Hemmingen knapp bei Kasse. Wie wollen Sie Ihre Vorhaben finanzieren?
Wir haben nur noch zwei kleine Flächen im Gewerbegebiet zur Vermarktung, daher müssen wir interkommunale Gewerbegebiete ins Auge fassen. Hier kommt die Gemarkung Schwieberdingen infrage: Wir investieren Geld als Kapitalanlage und erzielen über die Gewerbesteuer Rendite.
Die Schilder vor Ihrem Büro sind provisorisch. „Nafz“ ist mit „Schäfer“ überklebt.
Das zeugt doch von unserer Sparsamkeit. Außer einem neuen Schreibtischstuhl und einem Stehpult hat sich in meinem Büro nichts verändert, seitdem Herr Nafz ausgezogen ist.

Kandidatenvorstellung Auch Fridi Miller (48) und Ulrich Raisch (56) wollen ins Hemminger Rathaus einziehen. An diesem Dienstag, 5. Dezember, stellen sich die drei Bewerber um 19 Uhr in der Gemeinschaftshalle vor.

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