Heimatmuseum Weil der Stadt Warum die Stadt einen seltsamen Namen hat

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Mit dem Kinderquiz lassen sich auch die kleinsten Museumsbesucher begeistern. Foto: factum/Bach

Weil der Stadt - Wer schon immer mal wissen wollte, wie Weil der Stadt zu seinem seltsamen Namen gekommen ist – im Stadtmuseum bekommt er Antwort: „Weil“, ursprünglich wohl vom römischen „Villa“, ist um „Stadt“ ergänzt worden, um es von anderen „Weilern“ abzuheben, und im Dialekt hieß es dann „ze Wil’er Statt“.

Aber der Besucher kann noch viel mehr erfahren: Angefangen hat alles mit den Alemannen, von denen Grabbeigaben, wie Schmuck und Waffen, in der Stadt ausgegraben worden sind und im Erdgeschoss bestaunt werden können. Ein zarter Rüsselbecher aus Glas hat überlebt und zeugt von hoher Handwerkskunst.

Auswandern nach Polen und Russland

Ebenfalls im Erdgeschoss ist die Einrichtung einer Goldschmiede aus dem 19. Jahrhundert zu sehen – Hof, Adel und Kirche waren die Auftraggeber. Um 1275 ist Weil der Stadt zur Freien Reichsstadt ernannt worden. Jetzt heißt es nicht nur: „Stadtluft macht frei!“, sondern „Reichsstadtluft macht noch freier!“ Das Wappen mit Reichsadler und gekreuzten Schlüsseln zeugt vom Stolz der Einwohner.

Kurz vor Ende des 30-jährigen Krieges bricht ein großer Stadtbrand aus – aber das bleibt nicht die einzige Katastrophe: Die Hungerjahre 1816 und 1817 gehen auf den Ausbruch des Vulkans Tambora auf Indonesien zurück, die Napoleonischen Kriege tun ein Übriges. Viele Einwohner Weil der Stadts sind damals nach Polen und Russland ausgewandert.

Ein Raum widmet sich drei Themen: Die Revolution von 1848, die Auswanderung nach Amerika und die Geschichte der Zünfte. Da in der Freien Reichsstadt seit jeher ein liberaler Geist wehte, rumorte es auch hier um 1848. Ein Bild zeigt, wie eine Postkutsche zur Ersatztribüne umfunktioniert wird, auf der mit viel Emphase Freiheitsrechte gefordert werden. Von 1830 bis 1868 gab es dann eine Auswanderungsbewegung in der Hoffnung, in der neuen Heimat wirtschaftlich erfolgreicher zu werden (J. W. Goethe: „Amerika, du hast es besser!“).

Der dritte Themenbereich widmet sich der Entwicklung vom zünftigen Handwerk zur Gewerbefreiheit: Begriffe wie „Heimatschein“ und „Kundschaftsbriefe“ künden von viel Bürokratie.

Kepler und die Nachwelt

Schließlich hält die Eisenbahn Einzug in Weil der Stadt: „D’ Weil der Städter Eisebah’“ wird von den Einwohnern gerne benutzt, denn jetzt „Ka’ ma leicht uff Schduagart kaa!“ Die Enthüllung des bronzenen Kepler-Denkmals 1870 war dann Zeugnis für die Suche nach nationaler Identität und Entdeckung der eigenen Geschichte. Die 20 000 Gulden sind durch Spenden aufgebracht worden.

Einen Stock weiter oben gibt es die Sonderausstellung „Kepler und die Nachwelt“, die die wechselvolle Geschichte des Umgangs mit dem großen Sohn der Stadt dokumentiert: Hölderlin, Goethe, Kerner und Mörike haben ihm Gedichte gewidmet, und Hindemith sogar eine Oper („Die Harmonie der Welt“).

Wolfgang Schütz, in dessen ehemaligem Elternhaus das Museum untergebracht ist, nennt es stolz „ein begehbares Geschichtsbuch“ – und wirklich: Hier wird Geschichte mit allen Sinnen erfahrbar. Ganz oben gibt es Bastelangebote und ein Museums-Quiz für Kinder. Buttons mit einer Kepler-Figur werden hergestellt – vielleicht war das für einige Besucher ein Last-Minute-Geschenk zum Muttertag.

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