Heimatmuseum Malmsheim Die Mechanik funktioniert ganz ohne Strom

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Rosi und Frithjof Grögler testen eine Große Walzenspieluhr aus Genf (Baujahr zwischen 1815 und 1835). Foto: factum/Granville

Renningen - Wer hätte gedacht, dass der berühmte amerikanische Erfinder Thomas Edison nicht nur die Glühbirne, sondern auch einen der ersten Plattenspieler, genannt Phonograph, erfunden hat? Der eckige Holzkasten mit dem erstaunlichen mechanischen Innenleben kann, gemeinsam mit anderen Raritäten, derzeit im Malmsheimer Heimatmuseum bestaunt werden. „Von der Spieluhr bis zum Grammophon“ heißt die Sonderausstellung, und sie führt durch knapp drei Jahrhunderte mechanisch erzeugter Musik – Apparatemusik sozusagen.

Möglich gemacht hat die ungewöhnliche Ausstellung die verstorbene Renningerin Ursula Mathes, die dem Heimatmuseum etliche historische mechanische Musikinstrumente hinterlassen hat.

„Einige Exponate haben wir auch als Leihgabe vom Deutschen Musikautomatenmuseum aus Bruchsaal bekommen“, freut sich Frithjof Grögler. Seit Mai führt er gemeinsam mit seiner Frau Rosi an jedem zweiten und vierten Sonntag im Monat die Besucher durch das oberste Stockwerk des altehrwürdigen Malmsheimer Heimatmuseums und beide teilen ihr umfassendes Wissen über die selten zu sehenden Stücke gerne mit den Besuchern. Sie sind ja auch vom Fach, Rosi und Frithjof Grögler sind leidenschaftliche Drehorgelspieler und Moritatensänger und besitzen selbst einige bemerkenswerte Automaten.

Flötenuhren konnten sich anfangs nur Adlige leisten

„Das Besondere an der Ausstellung ist, dass die meisten der Exponate nicht nur betrachtet, sondern auch gehört werden können“, erklärt Frithjof Grögler und zieht eine kleine Spieldose auf. Ein bisschen blechern klingt das schon. Er zeigt auf die imposante Flötenuhr aus dem späten 18. Jahrhundert, eine der Bruchsaler Leihgaben: „Sie funktioniert nach demselben Prinzip“, weiß er. Die große Flötenuhr kann man zwar nicht hören, ihr Uhr- und Spielwerk ist im Lauf der Jahrhunderte zu empfindlich geworden, um es oft laufen zu lassen. Doch ihr aufwendig verziertes Äußeres zieht den Blick trotzdem auf sich. Die Ähnlichkeit mit jener Uhr, die bis heute untrennbar mit dem Schwarzwald verbunden ist, ist unverkennbar: der Kuckucksuhr.

„Flötenuhren waren anfangs sehr teuer, die konnten sich nur Adlige und später das wohlsituierte Bürgertum leisten. Aber findige Tüftler im Schwarzwald sorgten dafür, dass sich auch einfache Leute solch eine begehrte Uhr leisten konnten“, erzählt Frithjof Grögler. „Sie bauten einfache, bunt bemalte Holzgehäuse für die Mechanik, manchmal mit beweglichen Figürchen, und verkauften sie durch reisende Uhrenträger in viele europäische Länder.“

Alles funktioniert ohne Strom

Für die teuren Flötenuhren, die je nachdem zur vollen Stunde oder zur gewünschten Uhrzeit ihre Melodien erklingen ließen, haben übrigens große Komponisten wie Mozart, Haydn oder Beethoven eigene Melodien verfasst. Die Mechanik der Spieluhren wurde im Lauf der Jahre in alle möglichen Gebrauchsgegenstände eingebaut, zum Beispiel in Topfuntersetzer, Christbaumständer, Fotoalben und sogar ins Nachtgeschirr.

Eines eint die unterschiedlichen automatischen Musikinstrumente, egal ob Spieluhr, Drehorgel oder Grammophon: Sie funktionieren ohne Strom. „Das fasziniert vor allem die jungen Besucher“, schmunzelt Rosi Grögler. Sie nimmt eine der schweren Schallplatten aus Metall, die aussehen wie runde Lochkarten, und legt sie auf. Ihr Mann dreht die Kurbel, und schon erklingt aus dem riesigen Trichter lebhafter Jazz und Swing aus den Goldenen Zwanzigern des letzten Jahrhunderts.

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