Haushaltsplan des Landkreises Böblingen Die Steuereinnahmen des Kreises sprudeln

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Der Chef der Kreisverwaltung hat die Digitalisierung zur zentralen Zukunftsaufgabe erklärt. Dafür müssen zunächst weitere Glasfaserkabel verlegt werden. Foto: Günter Bergmann

Böblingen - Die Finanzlage des Landkreises Böblingen ist geprägt von stetig steigender Steuerkraft. Auf 610 Millionen Euro soll sie im nächsten Jahr klettern. So ist es im aktuellen Entwurf des Haushaltsplans vermerkt. Damit steht der Kreis bundesweit auf Platz zwei. Die anstehende Kreistags-Beratung über das Zahlenwerk „verbinde ich mit Glücksgefühlen“, sagte Landrat Roland Bernhard in seiner Haushaltsrede – eben wegen der glänzenden Zahlen auf der Einnahmeseite.

Tatsächlich ist die Steuerkraft bereits seit 2015 Jahr um Jahr gestiegen, und diese Entwicklung soll anhalten. Gemäß derzeitiger Prognosen werden die Steuereinnahmen bis 2021 weiter steigen. Die Ursache ist die gute Wirtschaftslage. Von ihr profitieren auch die 26 Kommunen im Kreis. Mit wenigen Ausnahmen rechnen auch ­deren Kämmerer für das nächste Jahr mit steigenden Einnahmen. Nennenswerte Einbrüche sind lediglich für Schönaich, Ehningen und Weissach vorhergesagt. Die wirtschaftsstärkste Stadt im Kreis bleibt Sindelfingen mit einer erwarteten Steuerkraft von 143 Millionen Euro im nächsten Jahr. Dahinter folgen Böblingen mit 81 und Leonberg mit 71 Millionen Euro. Von Seiten des Kreises müssen die Kommunen keinen Griff in die Kassen fürchten. Geplant ist, die Kreisumlage – die Zwangsabgabe der Kommunen an den Landkreis – von 34 auf 33 Prozent zu senken.

Landräte verabschieden Forderungen zur Flüchtlingspolitik

Zumindest Bernhard fürchtet allerdings von anderer Seite finanzielles Ungemach: von Seiten der Landesregierung. Bei der Kostenerstattung für die Unterbringung und Integration von Flüchtlingen „scheint sich ein Gewitter anzubahnen“, sagte der Landrat. Schon heute sei das Versprechen gebrochen, dass die Landkreise alle Ausgaben zurückerstattet bekämen. Künftig will das Land die Abrechnungsmodalitäten ändern. Mit der Sorge, dass damit das Minus wächst, steht Bernhard nicht ­allein. Die Konferenz der Landräte hat vor wenigen Tagen ihre sogenannte „Rastatter Erklärung“ mit einer Reihe von Forderungen zur Flüchtlingspolitik verabschiedet. Das Papier enthält nicht nur finanzielle Forderungen. In der Liste ist auch niedergeschrieben, dass Asylverfahren deutlich verkürzt oder Straftaten von Flüchtlingen konsequenter verfolgt werden sollten.

Der größte Posten auf der Ausgabenseite bleibt das Soziale. Mit rund 260 Millionen Euro will der Landkreis Böblingen im nächsten Jahr Menschen in Geldnot unterstützen. Dies macht deutlich mehr als die Hälfte des Gesamtetats von knapp 455 Millionen Euro aus. In den Bus- und Bahnverkehr soll etwa ein Zehntel dieser Summe investiert werden. Dies trotz der Pläne für den Ausbau und die Elektrifizierung der Schönbuchbahn. Im Dezember des nächsten Jahres sollen die ersten E-Loks rollen. „Der Zeitplan ist ehrgeizig, aber ich bin zuversichtlich, dass wir ihn einhalten“, sagte Bernhard. Allerdings ist die Kalkulation noch mit einer Unsicherheit behaftet. Obwohl die Kaufverträge für die neuen Züge seit April unterschrieben sind, hat das Verkehrsministerium noch immer nicht über die Zuschussanträge entschieden. Eine Million Euro für jede der neun Loks hofft Bernhard, vom Land zu erhalten.

Die Digitalisierung soll Arbeitsplatzschwund ausgleichen

Zur wichtigsten Zukunftsaufgabe hat der Chef der Kreisverwaltung allerdings eine gänzlich andere Art von Mobilität erklärt: die von Bits und Bytes. Um die Digitalisierung voranzutreiben, schlägt Bernhard vor, eigens eine übergreifende Stabsstelle einzurichten. Außerdem soll die Kreis­verwaltung mit dem Hermann-Hollerith-Zentrum zusammenarbeiten. Dort soll ein „regionales Digitalisierungszentrum“ eingerichtet werden. Auch diese Einrichtungen fördert das Land – mit bis zu einer Million Euro jährlich. Die vordringliche Aufgabe der näheren Zukunft ist, zunächst alle Haushalte an Glasfaser-Leitungen anzuschließen. Davon, meint Bernhard, „profitieren vor allem kleinere Unternehmen“.

Den Aufbruch in eine digitale Zukunft hält der Landrat nicht zuletzt wegen der Steuereinnahmen für zwingend. „Die Elektromobilität wird Arbeitsplätze kosten“, sagte er. Dies in der Schlüsselbranche des Kreises, eben der Automobilindustrie. Diesen Verlust „müssen wir nach und nach in anderen Branchen ausgleichen.“

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