Haus und Grund Leonberg Zu wenig Wohnraum, zu hohe Mieten

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In Leonberg sind die Mieten in den vergangenen Jahren um etwa 35 Prozent gestiegen, schätzt Michael Voigtländer. Foto: dpa

Leonberg - Unser neuer Pressesprecher sucht eine Wohnung in Leonberg, so um die 60 Quadratmeter. Hätten Sie da was?“ In seinem Grußwort bringt Leonbergs Erster Bürgermeister Ulrich Vonderheid, der den erkrankten Oberbürgermeister Martin Kaufmann vertritt, eine von Leonbergs dringlichsten Aufgaben auf den Punkt. Das Problem des Pressesprechers nach einer bezahlbaren Wohnung ist in Leonberg und Umgebung ein alltägliches und trifft bei der Jubiläumsfeier des Vereins Haus und Grund in der Stadthalle auf ein Fachpublikum, nämlich die Mitglieder des 1968 gegründeten Vereins Haus und Grund.

50 Jahre ist es her, dass in Leonberg 18 engagierte Immobilienbesitzer unter dem Vorsitz des Juristen Wolfgang Glaser, heute Ehrenvorsitzender, den Verein gegründet haben. Jetzt ist das Jubiläum im Anschluss an die Mitgliederversammlung gebührend gefeiert worden. Rund 2600 Mitglieder zählt der Leonberger Verein heute, mehr als 250 davon haben vor Ort mitgefeiert. Daneben konnte der Vorsitzende Reinhard Brümmer etliche hochkarätige Gäste aus der regionalen, der Landes- und der Bundespolitik begrüßen, selbst CDU-Fraktionschef Volker Kauder ließ durch Michael Hennrich, der Vorsitzende von Haus und Grund Württemberg, Grüße ausrichten und seinen Dank dafür, dass die Mitglieder des Vereins einiges dafür täten, um vielen Menschen ein Dach über dem Kopf zu geben.

Viele private Kleinvermieter

Der Meinung ist auch der Festvortragsredner Michael Voigtländer, Leiter des Kompetenzfelds Finanzmärkte und Immobilienmärkte beim Kölner Institut für Wirtschaft, und belegt seine Ansicht mit Zahlen: „Rund 60 Prozent aller Mietwohnungen in Deutschland werden von privaten Kleinvermietern, Vermietern also, bei denen die Mieteinnahmen Nebenerwerb und nicht Haupterwerb sind, angeboten. Das ist eine Besonderheit, die es außerhalb des deutschen Wohnungsmarktes so nicht gibt“, erklärt er. In anderen europäischen Ländern wie den Niederlanden oder Großbritannien gäbe es, so der Experte, entweder Eigentum, staatlichen Wohnungsbau oder große Wohnungsbaugesellschaften.

In Baden-Württemberg vermieten 15 Prozent der Haushalte eine oder mehrere Immobilien, selbst etwa sechs Prozent der einkommensschwachen Haushalte vermieten Wohnraum, den sie vielleicht geerbt oder sich als Altersvorsorge hart erspart haben. Damit ist das Ländle deutscher Spitzenreiter im Vermieten. Zum Vergleich: Schlusslicht Sachsen-Anhalt kommt auf drei Prozent Kleinvermieter.

Mieten sind in Leonberg um 35 Prozent gestiegen

Doch obwohl die Selbstnutzerkosten bei Wohneigentum auch dank der niedrigen Zinsen deutlich unter den Mietkosten liegen, steigt der Anteil an Wohnungseigentümern nicht. Die Gründe dafür sind vielfältig: „Die meisten Haushalte haben nicht das Kapital, um Eigentum zu erwerben. Hohe Grundsteuern, Makler- und Notargebühren oder auch die komplexen gesetzlichen Vorgaben erschweren es, Häuslebauer oder Wohnungsbesitzer zu werden“, so der Fachmann. Er zeigt auf, dass in Stuttgart die Mieten in den vergangenen Jahren um 40 bis 50 Prozent gestiegen sind. „In Leonberg“, schätzt er, „um 35 Prozent“. Eine spekulative Blase, die platzen könnte, sieht Voigtländer im Immobiliensektor übrigens nicht, denn der Wohnungsbedarf in Stuttgart und Umgebung, auch in Leonberg, wird durch die boomende Wirtschaft und die zuziehenden Fachkräfte nach wie vor steigen.

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