Handball Plötzlich ist sie die Nummer eins im Tor

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Wie aus heiterem Himmel Bundesliga-Torhüterin: Christine Hesel Foto: Uschi Pacher

Leonberg - Christine Hesel hätte sich nie träumen lassen, dass sie irgendwann einmal die Chance bekommen würde, in der Handball-Bundesliga zu spielen. Der Traum ist jetzt für die Torhüterin der SG Leonberg/Eltingen wahr geworden. Derzeit trainiert sie mit den Frauen des TuS Metzingen und bereitet sich mit ihnen auf die Saison vor. Für alle Beteiligten eine überraschende wie spannende Geschichte.

Bereits Anfang Juli hatte Marielle Bohm, die Trainerin von TuS Metzingen, Kontakt zu den Verantwortlichen der SG Leonberg/Eltingen aufgenommen – Bohm und Stefan Schuster, der sportliche Leiter der SG, sind gut befreundet. Der Bundesligist war in personelle Nöte geraten, da die zwei Stammtorhüterinnen Sabine Stockhorst und Lisa Sagert verletzungs- und krankheitsbedingt für längere Zeit ausfallen. Schuster sprach für die 22-jährige Christine Hesel eine Empfehlung aus. Sie sollte Laura Glaser, die dritte Torhüterin im Bunde, unterstützen. „Chris ist sehr unerschrocken und nimmt Herausforderungen an“, weiß Schuster.

Hesel sagte zu, das Zweitspielrecht wurde beim Verband unverzüglich beantragt. Doch dann fiel Mitte Juli auch noch Laura Glaser mit einem Knorpelschaden aus. Plötzlich ist die Leonbergerin die Nummer eins im Metzinger Tor. Ihre erste Bewährungsprobe hat sie bei einem Trainingslager und anschließendem Testspiel gegen den LC Brühl-St. Gallen vor 225 Zuschauern bestanden. Metzingen, die Pink Ladies, gewannen mit 31:19 Toren. „Das war super aufregend, zum Glück hat sich meine Nervosität rasch gelegt“, erzählt Christine Hesel voller Begeisterung. „Klar habe ich Respekt vor der Bundesliga, weil das ein absoluter Unterschied zur Landes- oder Württembergliga ist. Die Spielerinnen haben konstant starke und präzise Würfe, da ist man ganz anders gefordert, man steht permanent unter Strom“, sagt die Torfrau.

Sie spürt gerade all ihre Knochen. Tägliches Training ist angesagt, jetzt am Wochenende ist das Bundesliga-Team bei einem Turnier in Allensbach im Einsatz. Die Ruhephasen sind kurz. In die Mannschaft hat sich Hesel rasch eingefunden. „Ich fühle mich dort absolut wohl, das Trainingslager hat das Team zusammen geschweißt. Und die Spielerinnen sind ja auch froh, dass sie eine Torhüterin haben.“

Für Christine Hesel kam der Ruf des Bundesligisten unerwartet, zumal die höchste Klasse, in der sie bislang gespielt hat, die Württembergliga war. Mit dem Handball begonnen hat sie bei Eichenkreuz Höfingen. Zunächst als Feldspielerin abwechselnd auf verschiedenen Positionen. Dann stand die Mannschaft plötzlich ohne Torhüterin da. „Also ist jeder mal rein, nach dem Motto, mal sehen wer hängen bleibt“, erzählt Hesel und lacht. Am Ende fiel das Los auf sie. 2007 wechselte Christine Hesel zur SG Leonberg/Eltingen, spielte noch zwei Jahre in der A-Jugend und war 2009/2010 maßgeblich am Aufstieg der Frauen in die Württembergliga beteiligt. Das Abitur in der Tasche, zog die Leonbergerin nach Bamberg und studierte Betriebswirtschaftslehre. Zwischendurch legte sie ein Auslandssemester in England ein. Der Kontakt zur SG Leonberg/Eltingen brach nie ab. Wann immer sie in der Heimat war, half sie den Mannschaften aus – zuletzt der Zweiten in der Relegation um den erfolgreichen Aufstieg in die Landesliga. Derzeit wohnt Hesel wieder in Leonberg, im September startet sie in Darmstadt ein Praktikum im Bereich Personalmarketing, will anschließend ihren Master absolvieren. „Handball ist für mich wichtig, doch der Beruf hat oberste Priorität“, sagt Christine Hesel.

Vielleicht wird sie ihre Pläne ja noch einmal über den Haufen werfen. Denn bei Trainerin Marielle Bohm hat Hesel mehr als einen positiven Eindruck hinterlassen. „Sie hat einen unbedingten Willen, eine gute Selbstwahrnehmung und hat sich schnell unserem Team anpassen können“, sagt Bohm. „Für uns war das eine Geschichte, wo wir anfangs nicht wussten, ob es uns weiter hilft. Jetzt wollen wir Christine bei unserem ersten Ligaspiel am 31. August dabei haben, das würde auch noch mit ihrem Praktikum passen.“ Die Geschichte ist noch nicht zu Ende.

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