Glemseck 101 Motorenknattern zum Frühstück? Das passt!

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Rund 40 000 Zuschauer sind zur Veranstaltung gekommen – die meisten von ihnen eingefleischte Motorradfans. Foto: factum/Bach

Leonberg - Zum Frühstück gab’s Käffchen und Knattern: Als Björn Schmitz sich in aller Herrgottsfrühe den Schlaf aus den Augen rieb, an die Uhrzeit kann er sich gar nicht mehr erinnern, da kreisten dröhnende Zweiräder um sein Campingzelt, wie Geier am Himmel, die auf Beute lauern. Wer aber denkt, er sprang darauf wutentbrannt nach draußen und geigte den Störenfrieden ordentlich die Meinung, der irrt. „Es gibt doch nichts Schöneres am frühen Morgen!“, befindet der Mann mit einem Grinsen, meint es aber todernst.

Am Glemseck beim Motorradspektakel 101 ticken die Uhren auch anders. Es ist eine Welt für sich, wenn bis zu 40 000 Menschen bei einer der größten marken- und typübergreifenden Motorradveranstaltung in Europa zusammenkommen. Alle namhaften Hersteller und Tuning-Spezialisten geben sich ihr Stelldichein, die Easy Riders und Rockabillys pilgern aus Italien, Frankreich, Schweden und den USA herbei. Oder aus dem Sauerland, wie Björn Schmitz, der sein Zelt schon am Freitag auf der Campingwiese aufgeschlagen hat. Rund 400 Kilometer habe er auf seiner Yamaha SR 500 zurückgelegt. „Bei der langen Anreise bleibe ich auch drei Tage“, sagt der Mendener.

Bier, Buletten und Döner

Bereits zum fünften Mal ist der 28-Jährige mit der langen Mähne und schwarzen Lederkutte hier, auch seine Biker-Kumpels aus Gelsenkirchen sind dabei. Klar, als langjähriger Stammgast kennt er auch Leonberg, na sagen wir mal, zumindest Teile davon. Denn auch an diesem Samstagmorgen schwingt er sich auf seine Maschine, flitzt mal kurz rüber ins Leo-Center, um Bier und Buletten zu besorgen, und danach gibt’s noch einen Döner an der Ecke gegenüber. „Das ist schon ein festes Ritual“, sagt der Mann, bevor er sich die 101-Cappy aufsetzt und Gas gibt. Tschüssikowski!

Derweil füllt sich das Areal mit Menschen, und das obwohl dunkle Wolken aufziehen. Bereits am Vormittag muss man seine Maschine draußen stehen lassen, das Bier läuft in Strömen und vor den Dixi-Klos bildet sich eine schier endlose Schlange – ach nein, es ist das Pressezelt. Auf das Notwendigste reduzierte Bikes, die sogenannten Cafe Racer, von BMW, Triumph und Suzuki, die teilweise mehr kosten als ein neuer Luxusschlitten, stehen in Reih und Glied. Genau deswegen ist Schmitz hier. „Diese Dinger sieht man doch sonst nur in Zeitschriften!“, sagt der Motorrad-Narr nach der Einkaufstour.

Die Geschichte der Cafe Racer

Er kennt die ganze Geschichte – das Ace Cafe, der legendäre Treffpunkt der Motorradszene bei London, wo der Begriff „Cafe Racer“ geprägt wurde. In den Sechzigern machten die Rocker von dort aus auf ihren tief geduckten Maschinen mit Stummellenkern die Straßen unsicher und rebellierten damit auch gegen die Gesellschaftsnormen. Aber so schick die Concept-Bikes und veredelten Umbauten im Bobber- und Tracker Style auch daherkommen – seine Yamaha würde er nicht eintauschen. „Die behalte ich, bis ich in der Holzkiste liege!”, sagt er. Seit zehn Jahren sei er mit der Maschine unterwegs, und im Stich habe sie ihn noch nie gelassen. „Sie war auch mein erstes Gefährt, ein Auto hatte ich nicht“, erzählt der chemisch-technische Assistent, der von seinem alten Herrn mit dem Motorrad-Fieber infiziert wurde.

„Jetzt aber genug Benzin geredet!“, sagt Schmitz und macht sich auf den Weg in Richtung Zuschauertribüne, um einen guten Blick auf die Sprintwettbewerbe über eine Achtelmeile zu erhaschen – für viele der Höhepunkt des Motorradspektakels an der alten Solitude-Rennstrecke. Die amerikanischen Motorradweltmeister Freddie Spencer und Kevin Schwantz oder auch TV-Moderatorin Lina van de Mars brettern mit ordentlich Karacho über den Asphalt. Selbst zwei Motorradpolizisten hat der Initiator Jörg Litzenburger für die zwölfte 101-Auflage aufgetrieben.

Polit-Prominent lässt die Motoren aufheulen

Beim Eröffnungssprint lässt aber die Polit-Prominenz die Reifen quietschen: Der Landrat Roland Bernhard nimmt es mit dem Ministerialdirektor im Landessozialministerium, Wolf-Dietrich Hammann, auf, und Oberbürgermeister Bernhard Schuler schwenkt die Flagge. Beim Aufwärmsprint hat noch Hammann die Nase vorn, beim Hauptlauf macht dann aber der Landrat kurzen Prozess. „Ich habe einen super Start hingelegt, da ging die Maschine vorne sogar leicht nach oben!“, sagt er.

Trotz seines dritten Sieges in Serie, wie er nicht ohne Stolz erwähnt, stehe aber doch über allem der Spaß. „Die Biker kommen aus aller Herren Länder und feiern friedlich miteinander“, lobt der Landrat. Genau diese Offenheit in der Szene macht auch für Björn Schmitz den Reiz an der Motorradveranstaltung aus. Und so stellt sich nicht die Frage, wann er wieder im Südwesten aufschlägt. „Klar doch, 2018 bin ich dabei!“, sagt er – mit Campingzelt, Gelsenkirchener Anhang und Käffchen zum morgendlichen Motorenknattern.

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