Gitze und Band in Renningen Schwäbischer Rock und Jamaika-Reggae

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Schwäbischer Rock und Reggae aus Jamaika: Gitze kann beides. Foto: factum/Weise

Renningen - Rund 100 Fans waren gekommen, um Gitze mit seiner Band (Göran Jäck – Gitarre, Helmut Nothum – Hammond-Orgel/Piano, Werner Müller – Bass und Oliver Schmandke – Schlagzeug) zu feiern. Rote Stehtische standen direkt vor der Musikbühne. Darauf brennende Stimmungskerzen. Seitlich, wie auch hinten an der eingezogenen Raumabtrennung, Tische und Stühle. Mittendrin – jede Menge Platz zum Tanzen.

Bald schon füllten ein paar Fans die freie Fläche. Bewegten sich zu den Beats, welche ihren Weg von der Bühne in den Zuschauerraum bahnten. Ein Besucher hatte gar seine Mundharmonika dabei und spielte seine ganz eigene Version einiger Titel mit.

So ließen Gitze und seine Band in ihrer Liveshow unvergessene Wolle-Kriwanek-Klassiker, wie beispielsweise „U.F.O.“, „Stroßaboh“, „Reggae i di uff?“, und „I fahr Daimler“ aufleben, wie auch längst vergessen geglaubte und lange nicht mehr gehörte Perlen der schwäbischen Rock- und Bluesmusik.

Zwischendurch plauderte Gitze ein bisschen aus seinem Leben. Verband eigene Erlebnisse mit Liedtiteln. „Ich kann mich daran erinnern, wie ich früher, wie ich noch ins Geschäft gegangen bin, morgens aufstehen musste. Besonders montags war das ein Problem. Aus Angst, zu verschlafen, hab ich am Sonntagabend Schlafmittel in Form von Trollinger/Lemberger zu mir genommen – und hab den Montagmorgen dann regelmäßig verschlafen“, sprach Gitze, um sich und seine Gäste mit seinem anschließenden „Morgenstund Blues“ in diese Zeit zurückzuversetzen.

Was hat es mit dem Sakko auf sich?

Zurückversetzt hat Gitze auch die Tatsache, dass Paul Vincent eigentlich am 1. Dezember Geburtstag habe. „Heute ist ein ganz besonderer Tag“, sinniert er. Und fährt fort: „Ich trete in der Regel nicht mit Sakko auf, aber dieses Sakko hat eine ganz besondere Bedeutung. Dieses Sakko hab ich zum letzten Mal auf der Bühne angehabt beim letzten Auftritt mit Paul. Deswegen trag ich es heute ihm zu Ehren.“

Vincent Gunia, der sich als Musiker überwiegend Paul Vincent nannte, spielte mit vielen nationalen und internationalen Musikern. Ab dem Jahr 1975 war er mit seiner Gitarre an der Seite des schwäbischen Sängers Wolfgang „Wolle“Kriwanek. Paul Vincent komponierte, arrangierte und produzierte bekanntlich für Kriwanek eine Vielzahl der Titel.

Doch nicht nur schwäbischer Rock fetzte von der Musikbühne. Auch dem Reggae widmete sich Gitze gemeinsam mit seinen Musikerkollegen.

„Ende der 90er Jahre war ich mit einem Kumpel in Jamaika, um zu klären, wo der Reggae herkommt und wie er dort ist“, sagt Gitze. Da erzählte er von Fingerzeichen, welche den Reggae kennzeichnen. Mit der Aufforderung, den Refrain mitzusingen, ging es los mit „Gib deim Herz en Stoß“.

Immer ein Thema: Die Haare

Da war er angekommen bei den zwischenmenschlichen Konflikten und auch dem ein oder anderen Lösungsvorschlag. Auch sein langes, graues Haar, ein Thema des Abends: „Viele Leute sprechen mich darauf an, wie ich in meinem Alter noch so lange Haare tragen kann und wie es überhaupt dazu gekommen ist“. Nun, der Film „Hair“ war Auslöser und Wegbereiter zugleich. In Erinnerung an seinen Vater und eine Reise nach Neuseeland stimmt er ihn schon an, den Song: „Get a haircut and a real good job“.

So war Gitze mit seinem wallenden Haar das erste Mal Veranstaltungspunkt bei „Kult & Fun“. „Wir machen das schon seit 25 Jahren“, unterstreicht Veranstalter Joachim Donati. Und weiter: „Wir haben viele Connections“. Und genau diese Verbindungen sind es, welche diese Vielfältigkeit bieten und dabei ein breites Publikum ansprechen und erreichen.

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