Gewerbepark Heckengäu „Kreisel-Ampel“ erhitzt die Gemüter

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Bedarfs- oder Stopp-Ampeln unterscheiden sich von den klassischen Ampeln: Statt drei haben sie nur zwei Lampen für rot und gelb. Bei freier Fahrt sind diese Ampeln einfach aus. Foto: Archiv

Enzkreis - Für großes Aufsehen hat ein Bericht über die geplante Ampel am sogenannten Dieb-Kreisel bei Heimsheim gesorgt. Das Verkehrsamt des Enzkreises möchte damit die dortige Stauproblematik in den Griff bekommen. Dagegen regt sich in Friolzheim Widerstand. Unter anderem der Bürgermeister Michael Seiß befürchtet, dass eine solche Lösung zu Lasten der Fahrer aus den anderen Richtungen geht und die großen Probleme aus der Zeit vor dem Kreiselbau wiederkehren.

Bei dem Kreisel handelt es sich um den Kreisverkehr bei der Autobahnausfahrt Heimsheim und dem dortigen Gewerbegebiet „Dieb“, wo die Landesstraße 1180 und die L 1134 aufeinandertreffen. Die L 1180 von Friolzheim nach Perouse und Leonberg, vor allem aber die L 1134 von Heimsheim über Mönsheim und Wiernsheim nach Mühlacker „entwickeln sich zur ,Hauptschlagader’“, heißt es in einer Pressemitteilung des Enzkreises. Die verkehrlichen Herausforderungen rund um den Dieb-Kreisel werden immer größer. „Der neue Gewerbepark Heckengäu und das Porsche-Entwicklungszentrum im benachbarten Weissach ziehen Pendler an, was im Berufsverkehr zu brisanten Situationen führt.“ Nämlich dann, wenn sich die Autos bis zurück auf die Autobahn stauen.

Enzkreis will Situation entschärfen

„Wir nehmen die Hinweise vieler besorgter Verkehrsteilnehmer sehr ernst“, heißt es von der Verkehrsdezernentin des Enzkreises, Hilde Neidhardt: „Es geht uns darum, eine zum Teil lebensgefährliche Situation zu entschärfen.“ Die nun lautgewordene Kritik, beispielsweise aus Friolzheim, könne sie nicht nachvollziehen. „Wir haben uns federführend um eine möglichst schnelle Problemlösung bemüht und dabei alle zuständigen Fachbehörden und die Polizei einbezogen“, erklärt Neidhardt.

Das Landratsamt plant nun, probeweise eine sogenannte Stopp-Ampel einzusetzen. Also eine Ampel mit nur zwei Lampen, die üblicherweise ausgeschaltet ist und nur im Bedarfsfall auf gelb und rot schaltet. Damit sollen die Fahrzeuge aus Richtung Friolzheim kurzzeitig angehalten werden, damit zu den Stoßzeiten der morgendliche Süd-Nord-Verkehr auf der L 1134 schneller abfließen kann. Die Bedenken, dass sich dadurch lange Rückstaus von Friolzheim her bilden würden, teilt Oliver Müller, Leiter des Straßenverkehrs- und Ordnungsamts, nicht. Es wird sich zunächst nur um einen Probebetrieb handeln, der Aufschluss geben soll, ob das Konzept sich bewährt.

Friolzheim fürchtet neue Probleme

Michael Seiß hält diese Lösung für zu kurz gedacht. Zum Beispiel werde es bei einer längeren Rotphase Verkehrsteilnehmern aus Richtung Friolzheim „nicht mehr möglich sein, über den erst gebauten Bypass auf die L 1134 in Richtung Heimsheim einzubiegen“. Das Resultat werde nunmehr ein Rückstau auf der Strecke nach Perouse sein, und dann sei „die langjährige Verkehrsproblematik von vor dem Kreiselbau wiederhergestellt“.

Beide Landesstraßen seien im Hinblick auf das steigende Verkehrsaufkommen „auf sehr absehbare Zeit in ihrem derzeitigen Ausbauzustand nicht mehr ausreichend“. Die Ursache sieht Seiß vor allem in der Umlenkung der Verkehrsströme vom Entwicklungszentrum Weissach im Kreis Böblingen „auf klassifizierte Straßen im Nachbarlandkreis“. Die Kreisbehörde sollte in dieser Sache keine Alleingänge unternehmen, „sondern ein lösungsorientiertes und vor allem kurzfristig anberaumtes Miteinander zwischen Regierungspräsidium, Landkreis und Gemeinden“.

Auch der CDU-Ortsverband Friolzheim teilt die Bedenken des Bürgermeisters. Die genannte Ampel würde „die Probleme in keiner Weise lösen und neues Chaos hervorrufen“, heißt es vom Vorsitzenden Ferry Kohlmann. Zum einen hänge der Rückstau auf die Autobahn nicht mit dem Kreisverkehr zusammen, sondern mit der bereits existierenden Ampel an der Autobahnabfahrt. Zum anderen sei der Verkehr von Friolzheim kommend weder morgens noch abends das Problem für den Kreisverkehr, eine Ampel an dieser Stelle betrachtet er sogar als kontraproduktiv.

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