Gesundheitswesen in Gerlingen Kliniken werden deutlich größer

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Die beiden Kliniken auf der Gerlinger Schillerhöhe werden sich verändern. Gleichwohl geben die Lungenfachklinik des Robert-Bosch-Krankenhauses (links) und die Schmieder Kliniken ein deutliches Bekenntnis zum Standort ab. Foto: factum/Granville

Gerlingen - Kinder, Berufstätige, Senioren. Sie haben ein Schädel-Hirntrauma nach einen Unfall, sie hatten einen Schlaganfall, sie sind an Parkinson erkrankt. In den Schmieder Kliniken auf der Gerlinger Schillerhöhe kommen sie zur neurologischen Rehabilitation. Bis Mitte 2020 will das Krankenhaus am Standort deutlich erweitert haben. Statt bisher 150 Betten sollen es dann 250 sein.

Rund 38 Millionen Euro wird in den Anbau des neurologischen Fach- und Rehabilitationskrankenhauses investiert. „Wir wollen die wohnortnahe Versorgung der Patienten verbessern“, sagt der Geschäftsleiter Wolfgang Vogt. Diese ist bisher nicht immer möglich. „In der Region Stuttgart gibt es zu wenig Betten“, sagt Vogt mit Blick auf den Landeskrankenhausplan. Auch die Schmieder Kliniken können deshalb nicht alle Anfragen bedienen. In der Konsequenz bedeutet dies, dass die Patienten kilometerweit entfernt von ihrer gewohnten Umgebung behandelt werden, sei es in Heidelberg, sei es in Konstanz am Bodensee. Die größte Erweiterung in der Geschichte des Gerlinger Standorts sei laut Vogt ein Schritt, „die Versorgungslücke in der neurologischen Rehabilitation in der Region Stuttgart zu schließen“.

Größte Gruppe: Schlaganfallpatienten

Dabei setzten die Rehamaßnahmen bisweilen schon in dem Stadium an, wenn die Patienten gerade stabil sind. „Die Zimmer gleichen manchmal schon noch einem Intensivzimmer“, sagt Vogt deshalb. Laut dem Geschäftsleiter machen die Schlaganfallpatienten die größte Gruppe der Patienten aus, die meisten von ihnen sind in einem Alter zwischen 60 und 70.

Wie sich die Erweiterung konkret auf die Kooperation mit der benachbarten Lungenfachklinik auswirkt, ist offen. „Dort wo die Kooperation Sinn macht, ist sie prima“, sagt Vogt über das Zusammenspiel mit der Klinik Schillerhöhe, die zum Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) gehört. Denn auch dort ist einiges in Bewegung. Umbau, Erweiterung, Neubau, Neugliederung in Schillerhöhe und RBK insgesamt – all dies schließt der RBK-Geschäftsführer Dominik Alscher nicht aus. Alscher geht davon aus, dass es bis in einem halben Jahr Klarheit über die Ausgestaltung des Standorts gibt. Dann könnte auch Gewissheit darüber herrschen, ob das RBK das nahegelegene Sportplatzgelände nutzen wird. Die Fußballer der KSG Gerlingen haben bisher auf dem Gelände gekickt. Nachdem der Verein nach der Gründung eines neuen Clubs keine eigene Fußballabteilung mehr hat, steht auch der Platz zur Disposition. Man sei in Gesprächen, sagt die Vereinsvorsitzende Sabine Wahl nur. Das Vorkaufsrecht habe Bosch – konkret das Unternehmen Bosch. Firma wie Krankenhaus sind aber über die Robert Bosch Stiftung miteinander verbunden. Für Alscher, den Krankenhaus-Geschäftsführer, ist das im Grundbuch eingetragene Vorkaufsrecht der Firma deshalb kein Hinderungsgrund.

Temporärer Bau am schnellsten zu realisieren

Wenngleich die Entscheidung über die langfristige Entwicklung aussteht, gibt Alscher bereits ein klares Bekenntnis zum Standort ab. Man wolle auf der Schillerhöhe weiterhin „Lungenheilkunde auf höchstem Niveau anbieten“. Zur Deckung der Kosten ist das Robert-Bosch-Krankenhaus auf Erlöse angewiesen. Doch diese seien laut Alscher im Januar weggebrochen, nachdem die Spitzenverbände im Gesundheitswesen – sehr kurzfristig, nämlich acht Wochen zuvor – den Kliniken neue Bedingungen nannten, um die gleichen Erlöse für die komplexe intensivmedizinische Behandlung zu erzielen. Gemäß den neuen Bestimmungen muss die Klinik Schillerhöhe fortan auch einen Kernspintomographen vorhalten. Mit diesem Gerät kann man die Organe des Körpers detailliert darstellen. Drei Millionen Euro investiert die Klinik nun in einen temporären Containerbau. Es sei laut Alscher die schnelleste Möglichkeit der Umsetzung, um die einkalkulierten Erlöse zu erzielen.

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