Gemeinschaftsschule in Schwieberdingen Ist die Glemstalschule ein Sicherheitsrisiko?

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Die Gemeinschaftsschule in Schwieberdingen ist die drittgrößte im Land – und bietet Stoff für sehr viel Streit. Foto: factum/Granville

Hemmingen/Schwieberdingen - Michaela Nowraty ist verärgert. Alles Reden mit den Verantwortlichen in Hemmingen und Schwieberdingen helfe nicht mehr, immer wieder würden die Eltern hingehalten mit ihrer Forderung nach einer Modernisierung der Glemstalschule, sagt die Elternbeiratsvorsitzende der Glemstalschule. Sie hat sich deshalb an das Kultusministerium und an das Regierungspräsidium gewandt.

In den gleichlautenden Schreiben fordert sie das Land mit Verweis auf das Schulgesetz dazu auf, die Trägerschaft über die Glemstalschule zu übernehmen. Hemmingen und Schwieberdingen sollen fortan nicht mehr dafür verantwortlich sein. Das Regierungspräsidium wiederum soll prüfen, wie die Gefahren im Schulhaus bei Brand oder im Amokfall zu minimieren sind. Maßnahmen zum Schutz der Schulgemeinschaft seien sogleich umzusetzen. Zusammenfassend heißt in dem Brief: „Eine gedeihliche Entwicklung der Glemstalschule wird seit Jahren blockiert.“

Rauchmelder fehlen

Die Schulleiterin Sandra Vöhringer will den Brief nicht kommentieren. Aber sie bestätigt, dass etwa Rauchmelder in der Schule fehlten. Nowraty wird deutlicher. Rettungskräfte würden im Notfall nicht automatisch alarmiert, sondern müssten telefonisch kontaktiert werden. Sicherheitsvorkehrungen im Fall eines Amoklaufs gebe es nicht: Türen zu den Klassenräumen haben Klinken, keinen Türknauf – der ein Öffnen von außen ohne Schlüssel verhindert.

Nowraty weiß, wovon sie spricht. Die Geschäftsführerin des Kita-Trägers Polifant war als Kriminalbeamtin tätig und dort im Jugenddezernat mit Amokandrohungen an Schulen befasst. Eben weil sie Einblick hat, will sie die Situation an der Schule nicht mehr lange so hinnehmen.“

Die Schule ist ein Zankapfel

Die Glemstalschule ist seit Jahren ein Zankapfel zwischen den Gemeinden Hemmingen und Schwieberdingen. Die vom Elternbeirat angeführten Sicherheitsmängel sind ein weiterer Punkt im Streit um die Zukunftsfähigkeit der Schule, die erweitert und modernisiert werden soll.

Mit der Entbindung der Gemeinden von der Schulträgerschaft erhoffen sich die Eltern zudem, die Sekundarstufe 2 umsetzen zu können. Die Hemminger Gemeinderäte lehnen die Erweiterung der Glemstalschule um die gymnasiale Oberstufe ab. Der Elternbeirat hingegen argumentiert, dass wenigstens eine Schule im Landkreis die Oberstufe anzubieten habe. Die landesweit drittgrößte Gemeinschaftschule wäre nach Tübingen und Konstanz die dritte im Land mit gymnasialer Oberstufe.

Während das Regierungspräsidium am Freitag keine Stellungnahme abgab, äußert sich das Kultusministerium zurückhaltend. Prinzipiell seien nämlich die Gemeinden Schulträger. Ausnahme seien etwa das Kolleg in Mannheim, in dem Erwachsene Schulabschlüsse nachholen können. Das Land könne laut Gesetz nur Schulträger von Versuchsschulen und von Schulen besonderer pädagogischer Prägung oder Bedeutung sein, erklärt ein Sprecher des Ministeriums. Die Notwendigkeit zur Übernahme in die Trägerschaft des Landes sei bei der Glemstalschule daher nicht gegeben.

Der aktuelle Schulträger der Glemstalschule, der Gemeindeverwaltungsverband Schwieberdingen-Hemmingen hält sich zurück. Man kenne den Brief nicht, teilen der Schwieberdinger Bürgermeister Nico Lauxmann (CDU) und sein Hemminger Amtskollege Thomas Schäfer (CDU) mit. Gleichwohl trage die Kommunikation des Elternbeirats nicht dazu bei, eine tragfähige und praxisorientierte Lösung für die Modernisierung der Schule zu finden. 15 Millionen Euro haben die Gemeinden eingeplant, neueste Untersuchungen gehen von doppelt so hohen Kosten aus. Am Montag tagt der Schulträger.

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