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Fußball„Wir haben mit dem Aufstieg nichts zu tun“

Andreas Klingbeil, vom 12.12.2012 17:30 Uhr
Viel Grund zum Jubeln: der Renninger Top-Torschütze Marcus Bofinger (Mitte) Foto: A. Gorr
Viel Grund zum Jubeln: der Renninger Top-Torschütze Marcus Bofinger (Mitte)Foto: A. Gorr

Leonberg - Die Bezirksligisten haben sich in die Winterpause verabschiedet. Der nächste reguläre Spieltag ist am ersten März-Wochenende des neuen Jahres. Lediglich zwei Nachholpartien (SV Kornwestheim – TSV Merklingen, SV Freudental – FV Löchgau II) sind noch für das kommende Wochenende angesetzt. Eine Entscheidung darüber, ob sie stattfinden, soll laut Staffelleiter Hans-Otto Plemenik am morgigen Freitag fallen. Die Bilanz der fünf Altkreisteams in der Liga fällt unterschiedlich aus. Während die SpVgg Renningen mehr erreicht hat als erhofft, scheint der Abstieg von TSF Ditzingen und KSG Gerlingen schon so gut wie festzustehen.

SpVgg Renningen Manchmal kann sich auch ein Trainer in der Einschätzung des Saisonverlaufs täuschen. „Wir haben mit dem Aufstieg nichts zu tun“, hatte Renningens Anthony Nemetz gesagt. Und das nicht nur zu Rundenbeginn, sondern auch dann noch, als sich seine Mannschaft längst im vorderen Tabellendrittel etabliert hatte. Nun ist die SVR Tabellenzweiter mit nur einem Punkt Rückstand auf den FC Marbach. Vier Zähler gab’s am grünen Tisch, weil sowohl der SKV Eglosheim als auch der GSV Pleidelsheim jeweils einen nicht spielberechtigten Akteur eingesetzt hatte. Selbst ohne diese Bonuspunkte wäre die SVR jetzt Dritter. Dabei wollte Anthony Nemetz nur so schnell wie möglich den Klassenerhalt sichern.    Der Verein musste finanziell kürzer treten als in den Vorjahren, elf Spieler verließen den Club. Der neue Kader wurde vor allem aus den eigenen Reihen (A-Junioren und zweite Mannschaft) komplettiert. Zusammen mit den erfahreneren Akteuren wie Marcus Bofinger (mit 14 Treffern bester Renninger Torschütze), Marcus Bauer, Lütfi Yilmaz oder Nemetz selbst entstand eine schlagkräftige Mischung. Selbst verletzungsbedingte Ausfälle wie die von Robert Ludescher konnten kompensiert werden. Erst in den letzten beiden Spielen wurde es personell richtig eng. Kurzerhand sprangen die „Fußball-Rentner“ Wolfgang Buck und Angelo Di Napoli ein. Wie es nach der Winterpause weitergeht? „Wir dürfen uns nicht ausruhen auf dem, was wir bisher erreicht haben“, sagt Anthony Nemetz. Das Thema Aufstieg ist aber erst dann eines, wenn die SVR am Saisonende immer noch da stehen sollte, wo sie jetzt überwintert.

TSV Merklingen Das hat es in der Merklinger Fußball-Historie auch noch nicht so oft gegeben: Zur Halbzeit spricht alles dafür, dass sich der Club in dieser Saison nicht ernsthaft mit dem Thema Klassenerhalt beschäftigen muss. Zum einen ist der TSV auf dem besten Wege, junge Spieler wie Marco Waldherr, Simon Bähser oder Frank Ohnesorge in der Bezirksligaelf fest zu etablieren. Auf der anderen Seite hat man mit Jens Eng einen Mann gefunden, der als Trainer und Spieler von seinen Erfahrungen in höherklassigen Ligen profitiert und zudem von Ex-Coach Achim Leber tatkräftig unterstützt wird. Für mehr als einem Platz im oberen Tabellenmittelfeld scheint es allerdings noch zu früh zu sein. Bestand die Möglichkeit, sich noch weiter oben im Tableau einzureihen, setzte es – wenn auch knappe – Niederlagen, wie die gegen Phönix Lomersheim, SKV Eglosheim, TSV Schwieberdingen oder SKV Rutesheim II.

SKV Rutesheim II Einen kapitalen Fehlstart hat sich die Landsliga-Reserve aus Rutesheim geleistet. Ein Sieg und vier Niederlagen in den ersten fünf Begegnungen standen zu Buche. Zeitweise leuchtete die Rote Laterne bei der SKV. Nach einem vierten Tabellenplatz zum Abschluss der Vorsaison hatte damit niemand gerechnet. Am allerwenigsten die Rutesheimer selbst. Trainer Alexander Ziegler: „Da haben wir schon ein bisschen dumm aus der Wäsche geguckt.“ Doch der Coach wusste, warum es zunächst gar nicht lief.

    In der Vorbereitung musste er immer wieder auf Spieler verzichten. In der jungen Mannschaft hatten bei einigen Abiturienten Urlaub und Auszeit erst einmal Vorrang vor dem Fußball. „Das kann ich schon verstehen“, sagt Ziegler, „weil ich das alles selbst mitgemacht habe.“ Nicht so selbstverständlich war für ihn jedoch, wie sich das Team aus dieser Situation befreit hat. „Der Druck war schon enorm. Aber die Spieler sind gut damit klar gekommen“ (Ziegler). Wendepunkt war der 2:1-Erfolg über die TSF Ditzingen. Ziegler: „Da haben wir schmutzig gewonnen.“ Zunächst gab’s danach noch einmal ein 1:2 beim FC Marbach. Eine Serie von neun Spielen ohne Niederlage (sechs Siege, drei Unentschieden) katapultierte Rutesheim II dann aber in die obere Tabellenhälfte. Dabei blieb die Unterstützung aus dem Landesligakader eher die Ausnahme. Personell wird sich im neuen Jahr so gut wie nichts ändern. Verzichten muss der Übungsleiter voraussichtlich auf Karim Radhouani, der in Karlsruhe studiert.

TSF Ditzingen Trotz 13 Punkten Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz: Es geht weiter bei den TSF Ditzingen. Für Almir Atlagic, der nach dem Rauswurf des Trios Rocco Ceserano/Manuel Fuchs/Daniel Scheuerpflug vom Torspieler zum Trainer aufgestiegen ist, keine Selbstverständlichkeit: „Mein größtes Problem war schon die Angst davor, dass die Mannschaft jetzt auseinander fällt.“ Dem ist aber nicht so. Im Gegenteil: zu 90 Prozent, so Atlagic stehe ein ehemaliger Oberliga-A-Juniorenspieler der SV Böblingen bereits als Neuzugang fest. Nach dem bisherigen Saisonverlauf dürfte das jedoch kaum ausreichen, um den enormen Rückstand noch einmal wett zu machen. Die Problemzonen im Ditzinger Spiel: die Mannschaft erarbeitet sich genügend Chancen, lässt aber zu viele ungenutzt und kassiert durch viele individuelle Fehler zu viele Gegentore.     Die Linie beim Aufsteiger ist für Atlagic dennoch klar: „Wir wollen der Jugend zeigen, dass wir auf sie setzen und dass es hier weiter nach vorne geht.“ Das Thema Klassenerhalt hat er noch nicht abgeschrieben. „Es sind noch genügend Punkte zu vergeben.“ Die volle Konzentration gilt der am 22. Januar beginnenden Vorbereitung. Aus diesem Grund hat Atlagic auch sämtliche Hallenturniere mit Ausnahme des eigenen am 19./20. Januar abgesagt. Dort, wo bereits gemeldet wurde, wird möglicherweise die zweite Mannschaft antreten. Verletzungen und Sperren haben die TSF in der Vorrunde zu oft zurückgeworfen. „In der Halle ist mir das zu gefährlich. Es ist jetzt sinnvoller, dass alle fit werden.“

KSG Gerlingen Eine nahezu komplette Mannschaft nach einem Abstieg aus der Landesliga zu ersetzen, und das auch noch fast ausschließlich mit Akteuren aus der zweiten Mannschaft, kann eigentlich nicht gut gehen. Um einen finanziellen Kollaps zu vermeiden, blieb den Gerlinger Verantwortlichen jedoch keine Wahl. Das Resultat: als einzige Mannschaft der Liga noch ohne Sieg steht die KSG einen Zähler schlechter als der Nachbar aus Ditzingen am Tabellenende. Trainer Antonios Anastasakis hat die Hoffnung auf Besserung aber noch nicht aufgegeben.

    Spieler wie Markus Gann, Ufuk Oklu oder Tobias Schmidt haben in den letzten Partien einen deutlichen Aufwärtstrend gezeigt. Davon soll die gesamte Mannschaft profitieren. 1:2 gegen Pleidelsheim, 1:3 gegen Marbach, 3:3 gegen Kornwestheim – die Resultate selbst gegen die Spitzenteams fielen knapp aus. Allein der so sehnlichst erhoffte Sieg fehlt noch. So wie in Ditzingen gibt es trotz der nahezu aussichtslosen Situation auch bei der KSG keine Abwanderungsgedanken. Einzig Jan Kühnel steht wegen eines Auslandsaufenthaltes in Irland nicht mehr zur Verfügung. Dafür hofft Anastasakis auf zwei Neuzugänge – und ein kleines Wunder. „Theoretisch haben wir noch die Chance. Zu Weihnachten hat man ja genügend Wünsche frei. Und wenn sich schon mal alle Spieler wünschen, in der Liga zu bleiben, klappt’s ja vielleicht noch. Wir werden nach der Pause noch einmal Vollgas geben.“

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