Friolzheim Ein Wurmberger Gewächs mit Sinn für Zahlen

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Matthias Britsch ist seit einem halben Jahr der Finanzchef der Gemeinde Friolzheim. Foto: Andreas Gorr

Friolzheim - Es sind große Fußstapfen, in die Matthias Britsch tritt. Der 32-Jährige folgt im Amt des obersten Kassenwartes der Gemeinde auf Norbert Schabel, der 29 Jahre lang die Finanzen gehütet hat. Doch der Vater einer neun Monat alten Tochter hat auch seine eigenen Vorstellungen. Für ihn ist es ein Glücksfall, dass die Leitungsstelle in Friolzheim frei geworden ist und er sie nun ausfüllen darf.

Denn Matthias Britsch ist Wurmberger durch und durch. Er ist dort aufgewachsen, seine Eltern, seine Frau und die Eltern seiner Frau kommen aus dem Enzkreisort. Er ist dort auch in zwei Vereinen Mitglied, hilft in seiner Freizeit auf dem landwirtschaftlichen Hof eines Bekannten und hat schließlich mit seiner Familie ein Haus in Wurmberg gebaut. „Ich bin jetzt in sieben Minuten bei der Arbeit“, sagt Britsch strahlend, „das ist für mich Lebensqualität.“

Lebensqualität: Nur sieben Minuten zur Arbeit

Nur für eine Arbeitsstelle hat er seinen Heimatort für einige Jahre verlassen. Nach dem Wirtschaftsgymnasium in Pforzheim, das die Prägung für Zahlen und BWL hinterlassen hat, und dem Studium zum Diplom-Verwaltungswirt in Kehl arbeitete Britsch nämlich in Stuttgart beim Kommunalen Rechenzentrum. Für diese Zeit hat er in Hessigheim gewohnt.

Nun fragt man sich: Warum, will man als junger Absolvent ausgerechnet in einem Rechenzentrum arbeiten? „Ein Mitarbeiter hat im Studium Werbung dafür gemacht und geschwärmt, das sei eine tolle Arbeit“, erzählt Britsch. Für Software und Zahlen konnte er sich schon immer begeistern, und so begann er dort.

Aber was macht eigentlich ein solches Zentrum? Einfach erklärt greifen alle Kommunen darauf zu, nutzen es als Server, um Daten zu sichern und zum Beispiel Ausweis-Anträge zu bearbeiten. Britsch hat sich auf ein wichtiges Thema spezialisiert: die Umstellung der kommunalen Haushalte auf kaufmännische Buchführung, im Fachjargon auch „Doppik“ genannt.

Das müssen alle Städte und Gemeinden bis spätestens 2020 erledigen. Britsch beriet unter anderem die Stadt Sindelfingen – und half ihr, als Pilotprojekt eine kaufmännische Bilanz für die Feuerwehr zu erstellen. Und weil es ihm in der Daimlerstadt so gut gefiel, bewarb er sich als Vize-Kämmerer – mit Erfolg. Dabei arbeitete er übrigens Tür an Tür mit der jetzigen Weissacher Kämmerin Karin Richter zusammen. Und sein Nachfolger als Vize-Kämmerer in Sindelfingen ist übrigens Andreas Bastl, der frühere Heimsheimer Kassenwart.

In der Leitungsfunktion hatte Britsch 18 Mitarbeiter unter sich, war für die Aufstellung des Haushaltsplans zuständig. „Eine ungewohnte Rolle“, räumt Britsch ein, „aber es macht mir Spaß, mit Menschen zu arbeiten.“ Das Feedback war positiv. Doch in der großen Verwaltung wurde der Wurmberger zwangsläufig zum Spezialisten – der Vizechef kann sich nur noch um die Sonderfälle kümmern. „Ich bin lieber ein Allrounder“, bekennt Britsch.

Und genau das kann er jetzt in der kleinen Friolzheimer Verwaltung wieder sein. „Bekannte haben mich auf die Stelle angesprochen“, erzählt Matthias Britsch. Schließlich wurde er vom Gemeinderat gewählt und ist seit gut einem halben Jahr im Amt. Mit seinem Vorgänger Norbert Schabel tauscht er sich aus, umgestellt hat er aber die Aktenverwaltung.

Alle Akten will er einscannen

„Ich scanne alles ein, damit ich es elek­tronisch durchsuchen kann“, schmunzelt der 32-Jährige. Da gelte es einiges aufzuarbeiten. Bei solider Haushaltsführung in der schuldenfreien Gemeinde will er aber seinem Vorgänger in nichts nachstehen.

Im Gemeinderat hat man das schnell erkannt – so ist im Gremium einmal der Satz gefallen: „Mit Herrn Britsch brauchen wir an diese Ausgabe gar nicht erst zu denken.“ Aber der Kassenwart verweist auf die stark wachsenden Personalausgaben, gerade bei den Kindergärten. „Wir haben dort inzwischen so viel Personal wie vor zehn Jahren in der gesamten Gemeinde mit allen Bereichen“, rechnet Britsch vor. Nun ist die Einkommensteuer zwar erfreulich hoch, allerdings gibt es auch kaum noch Erweiterungsmöglichkeiten. So bleibt auf Gewerbesteuern aus dem interkommunalen Gebiet oder zu hoffen, was aber unsicher ist. „Ich bin von Sindelfingen geprägt“, sagt der Kassenwart, „dort sieht man, wie unbeständig Einnahmen aus der Automobilindustrie sein können.“ Sindelfingen musste 2015 auf einen Schlag 63 Millionen Euro an Daimler zurückzahlen. In Friolzheim gebe es viele Zulieferer, zudem will sich Porsche im Gebiet Reutte ansiedeln.

Noch hat Friolzheim zwei Millionen Euro auf der hohen Kante – aber angesichts der Investitionen in Hochwasserschutz, Rathaus oder Kindergärten könnte das schnell schmelzen. Das bereitet Matthias Britsch aber keine grauen Haare: „Wer vorausschauend wirtschaftet, fährt auf lange Sicht gut.“ So bleibt ihm noch Zeit fürs Wandern oder Ski- und Snowboard-Fahren. Oder für die Familie. Denn diesen Ausgleich zu den Zahlen braucht er natürlich.

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