Fraktionschefs in Hemmingen Thomas Schäfer sollte „auch mal Nein sagen“

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In der Hälde werden seit 2014 Wohnungen und Häuser gebaut. Foto: factum/Weise

Hemmingen - Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Hemminger Gemeinderat, Wolfgang Gerlach, meint es, wie er betont, „flapsig“, wenn er den aus seiner Sicht „einzigen Fehler“ des Bürgermeisters Thomas Schäfer benennt: „Dass er bei der CDU ist und nicht bei den Freien Wählern.“ Insgesamt sei die Fraktion „sehr zufrieden“ mit der bisherigen Arbeit Schäfers, der im Dezember als Rathauschef bestätigt wurde. Mit Blick auf die Wiederwahl und die erste Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik im neuen Jahr an diesem Dienstag äußern die Fraktionschefs ihre Wünsche an Schäfer. Voll des Lobs sind aber nicht alle Parteien. Die SPD gehört zu den lauten Kritikern Schäfers.

Freie Wähler: Schäfer hängt sich rein

„Wir haben wenig auszusetzen“, sagt Wolfgang Gerlach. Schäfer mache seine Sache gut und hänge sich rein, etwa bei der Bürgerbeteiligung oder der Breitbandversorgung. Allerdings hat Gerlach die Sorge, dass Schäfer sich zu viel zumute. Der 35-Jährige ist unter anderem in der Bürgermeisterversammlung des Landkreises aktiv sowie CDU-Rat im Kreistag. „Solche Ämter und Aufgaben kosten Zeit. Bisher hat das der Gemeinde nicht geschadet, aber vielleicht leidet mal Schäfers Gesundheit oder Privatleben unter der Belastung“, sagt Gerlach. Sein Rat: „Schäfer sollte auch mal Nein sagen.“ Bereits die anstehenden Haushaltsberatungen forderten angesichts eines Defizits von fast fünf Millionen Euro im laufenden Betrieb Kraft. Vermutlich müsse die Gemeinde an der Grundsteuer wie an den Kinderbetreuungsgebühren drehen, sprich sie erhöhen. Das dann den Bürgern zu vermitteln sei auch ein Kraftakt.

FDP: Fairer Umgang mit Parteien

Angesicht höherer Ausgaben als Einnahmen im Haushalt 2018 ist auch Barbara von Rotberg (FDP) froh über Schäfers Wiederwahl. „Ich hoffe, dass er weiterhin eine so vorausschauende und sparsame Haushaltspolitik macht. Er hält die Rücklagen zusammen und speist sie wohl dosiert ein“, lobt von Rotberg. Sie sitzt als einzige Liberale im Gemeinderat und im Verwaltungsausschuss. Sie sei deshalb ganz besonders auf einen „fairen Umgang mit den Parteien angewiesen“ – was hoffentlich auch in den nächsten acht Jahren so gut klappe. Von Schäfer wünscht sich von Rotberg zudem, dass er sich noch mehr um gemeindeeigene Gebäude kümmert. „Schäden sollten zeitnah behoben werden statt ausgesessen. Auch das gehört zur Haushaltsführung.“ Schließlich seien Folgeschäden oft teurer als Reparaturkosten. Hemmingen nennt von Rotberg eine „lebendige und aktive Gemeinde“. Das Neubaugebiet Hälde, in das auch Schäfer viel Herzblut investiert habe, sei angesichts des demografischen Wandels „ein großer Schritt, junge Familien nach Hemmingen zu locken und Ausgewogenheit zwischen jüngeren und älteren Bewohnern“ zu schaffen. „Wir brauchen weitere Angebote, um Jüngere anzusprechen.“

CDU: Viel Elan und Kometenz

Das sieht der CDU-Fraktionschef Walter Bauer ähnlich – jedoch hofft er gerade bei der Bebauung auf „innovative Lösungen“, die auch die Erhaltung der Landschaft berücksichtigten. Er wünscht Schäfer „viel Kraft und die entsprechende Gelassenheit“, damit er den Ansprüchen der Bürger und den eigenen Vorstellungen gerecht wird. „In einer kleinen Gemeinde wie Hemmingen kommt jeder, der es will, mit dem Bürgermeister ins Gespräch.“ Bisher habe Schäfer mit „viel Elan und Kompetenz“ die Geschicke gelenkt.

Er habe das Potenzial, die Tradition seiner Vorgänger fortzusetzen, über Jahrzehnte Bürgermeister in Hemmingen zu sein: Heinrich Rathfelder war es 30, Werner Nafz sogar 32 Jahre lang. Dass Schäfer trotz seiner Zugehörigkeit zur CDU nicht immer mit dieser stimmt – wie beim Gemeindeentwicklungsplan – sei klar. „Er muss schauen, wo er seine Mehrheit findet, und wenn das nicht bei der CDU ist, dann ist das in Ordnung“, sagt Bauer.

SPD: Schäfer folgt zu sehr dem Mainstream

Die SPD indes hält mit ihrem Unmut über Schäfers Arbeit nicht hinterm Berg. „Er folgt zu sehr dem Mainstream anstatt eine lebhafte Debatte über Zukunftsthemen wie Barrierefreiheit oder Verkehrskonzepte zu führen“, sagt der Fraktionschef Wolfgang Stehmer. Er erhofft sich von Schäfer, dass dieser künftig die Anträge der SPD ernster nimmt – Beispiel Bürgerbüro und Barrierefreiheit in Hemmingen – und in Diskussionen persönlichen Verletzungen einen Riegel vorschiebt. Als der Verhandlungsführer müsse er öfter einschreiten, sagt Stehmer. Er wünscht sich grundsätzlich eine stärkere Kultur des Mitredens und weniger Vorberatungen in nicht öffentlichen Sitzungen.

Mit Blick auf den Haushalt schüttelt der Sozialdemokrat den Kopf. „Schäfer sollte den Plan realistisch darstellen. Seit so vielen Jahren wird gejammert, dass wir am Abgrund stehen, und von den Bürgern Geld geholt, dabei hat Hemmingen 30 Millionen Euro liquide Mittel auf der hohen Kante.“

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