Feuerteufel-Prozess Ehefrau belastet Feuerwehrmann schwer

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Der frühere Feuerwehrmann aus Rutesheim steht wegen Brandstiftung und versuchtem Mord vor Gericht. Foto: dpa-Zentralbild

Stuttgart - Der frühere Feuerwehrmann aus ­Rutesheim, der sich am Stuttgarter Landgericht wegen versuchten Mord, Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung verantworten muss, ist von seiner Ehefrau schwer belastet worden. Die 31-Jährige sagte am zweiten Verhandlungstag aus, dass ihr Noch-Ehemann alle fünf Brände gelegt hatte. Er habe vom „Einkaufen“ gesprochen, wenn er losgezogen sei – immer auf dem Fahrrad, in dunkler Kleidung, mit Handschuhen und Schuhen mit abgenutztem Profil.

Sie habe erstmals nach dem Feuer in der Asylbewerberunterkunft in der Pforzheimer Straße davon erfahren. „Er sagte, dass die Eingangstür geöffnet war, dann ging er in den Waschraum, wo er mehrere Säcke anzündete, die dort herumlagen“, erzählte die Frau. „Er wollte aber sicherzustellen, dass keiner im Haus war, bevor er das Feuer legte“, erzählte sie. Doch bei dem Brand im Januar vor einem Jahr hatten sich vier ­Bewohner im Haus aufgehalten, zwei von ihnen mussten per Drehleiter gerettet werden und erlitten Rauchvergiftungen.

Mit dem Gillanzünder geht’s zur Scheune

Für den Brand in einem Geräteschuppen in der Pforzheimer Straße habe er einen Grillanzünder von Zuhause mitgenommen. Und in der Scheune in der Flachter Straße hatte er ihr zufolge zunächst vergeblich versucht, Feuer im Erdgeschoss zu legen, bevor ihm dies dann auf dem Dachboden gelang. Dazwischen habe er sich auf eine Bank unweit der Scheune gesetzt. Die 31-Jährige erzählte, der Rutesheimer habe sich meist direkt auf den Weg zum Feuerwehrhaus gemacht. Einmal soll er gar die Einkaufstüten im Edeka stehenlassen ­haben, als sein Funkrufempfänger losging.

Laut der Frau sei es dem Angeklagten ums Geld gegangen – auch die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Ex-Feuerwehrmann mit den Brandstiftungen die Aufwandsentschädigungen für die Einsätze einstreichen wollte. „Geld war immer ein Thema bei uns“, sagte sie. Vor dem ­Hintergrund, dass die Wehrleute zehn Euro pro angefangene Einsatzstunde erhalten und nicht nach jedem Einsatz ausbezahlt werden, sondern immer am Anfang des Folgejahres, wie der geladene Feuerwehrkommandant angab, erscheint dies aber zweifelhaft.

Waren Drogen im Spiel?

Auch verneinte die Frau, dass der 36-Jährige übermäßig Alkohol trank und Drogen nahm – der Angeklagte, der beim Verhandlungsauftakt nur den Brand eines Müllhäuschens und eines Geräteschuppens eingeräumt hatte, hatte erzählt, dass er betrunken gewesen sei und Heroin genommen habe. Am Ende wollte der Richter von ihr wissen, ob sie denn mit ihrer Aussage nicht dem Mann eins auswischen wollte – sie hatte ihn im April wegen einer Ver­gewaltigung angezeigt und dann auch von den Bränden erzählt. Das stritt sie aber ab – ­genauso wie, dass sie auch schon im Vorfeld von den Taten ihres Mannes gewusst haben soll. Die Verhandlung wird fortgesetzt.

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