Fasnet in Weil der Stadt Das war’s für den Bürgermeister und die Beigeordnete

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In seinem Amtszimmer Foto: factum/Bach

Weil der Stadt - So einfach wie in diesem Jahr ist es für die Narren noch nie gewesen. Bevor sie bis Aschermittwoch ihre Herrschaft in Weil der Stadt antreten können, müssen sie die aktuelle Stadtspitze absägen – und da reicht ein kleines Kreuz in Rutesheim, jedenfalls bei der Hälfte der Spitze.

„Die Wahlurnen in Rutesheim sind schon brezelvoll / das Ergebnis steht jetzt schon fest und des isch toll“, ruft Zunftmeister Daniel I. Kadsch dem versammelten Volk auf dem Weiler Marktplatz zu. Denn Susanne Widmaier, die bisherige Beigeordnete in Weil der Stadt, tritt dort als Bürgermeisterin an. Und damit man zumindest sie auf jeden Fall los ist, dafür hat die Narrenzunft eigenhändig gesorgt. „Die Narrenzunft isch bestens informiert / mir hen die ganze Bevölkerung heut morgen ins Wahllokal chauffiert“, verrät der Zunftmeister der jubelnden Menge sein Geheimrezept.

Mit Tamtam und Trompeten sind 7er-Rat, die Maskengruppen, das AHA-Ballett und die Spicklingsweiber am frühen Sonntagnachmittag triumphal auf dem Weiler Marktplatz eingezogen – die Spicklingsweiber allerdings ohne die mittlerweile Rohstrugel backende Susanne Widmaier.

Ein zünftigeres Vorgehen ist beim Bürgermeister selbst gefragt gewesen, bis auch er überwältigt war. Starke Hexen-Herren sind mit dem Rammbock angerückt, da hilft auch die wohl eigens vom Bauhof verstärkte Rathaustür nichts mehr.

Wer lässt denn die Susi so einfach ziehen?

„Bürgermeister Schreiber, ich klage dich an und setz dich ab“, erklärt Zunftmeister Daniel I., „weil du deine Susi, die bessere städtische Hälfte, so einfach mir nichts dir nichts ziehen lässt“. Mit vielen neuen, monetären Kröten habe man extra das Merklinger Rathaus für sie umbauen lassen.

Das ist nur einer von neuen Anklagepunkten, den der Zunftchef dem nunmehr ehemaligen Bürgermeister zweifelsfrei nachweisen kann.

Denn nach schon geschätzt sieben Stößen hat der Rammbock das Rathaustürle überwältigt. Da nutzt die verzweifelte Verteidigungsrede am Ende auch nichts mehr. Hilfe vom allerhöchsten Weiler Patron hat er dafür im Vorfeld eingeholt.

„Ich bin letzte Woch nachts heimlich zum Kepler uff’s Denkmal nuff / Ihr Leud, des stemmt, des isch kein Bluff“, ruft Thilo Schreiber über den Marktplatz. Am 11.11. nämlich hatte ihm die Narrenzunft vorgeworfen, zu erwägen, den Kepler verrückt zu machen, indem er das Kepler-Denkmal auf dem Marktplatzein Stück verrücken wolle. „Schultes“, habe der Kepler ihm geantwortet, „Schultes, sag dene Leut, der Vorschlag isch gar nicht dumm / schiebet mich ebbes weiter zum Museum num.“ Jetzt ist der Kepler indes erst einmal auf den Höhepunkt der närrischen Herrschaft gespannt, den großen Umzug am kommenden Sonntag.

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