Ein Jahr OB Kaufmann Der forsche Vorprescher

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Seid umschlungen, ihr Leonberger: Martin Kaufmann bei seiner Amtseinführung vor einem Jahr. Foto: factum/Granville

Leonberg - Es ist wohl der größte Moment im beruflichen Leben des Martin Georg Kaufmann, als die Christdemokratin Elke Staubach dem Sozialdemokraten am Abend des 30. November 2017 die Amtskette umlegt und einen Leonberg-Regenschirm über ihm aufspannt. „Wir lassen Sie nicht im Regen stehen“, verspricht die Chefin der Mehrheitsfraktion dem Mann, der sein Amt als Oberbürgermeister am 1. Dezember um 0 Uhr antritt.

Das ist genau ein Jahr her. Und tatsächlich hat es in den ersten zwölf Monaten des neuen Rathauschefs noch keine Situation gegeben, die ein ernsthaftes Zerwürfnis zwischen ihm und seinem Kontroll- und Beschlussgremium hätte herbeiführen können. Zu leutselig ist der neue Steuermann, der seine Sitzungen zumeist mit launigen Begleitkommentaren moderiert und immer mal wieder Lacher erntet.

Welch ein Unterschied zum ernsthaften Bernhard Schuler, der bis vor einem Jahr die Geschicke in Leonberg geleitet hatte – stets seriös, manche meinen überseriös.

Die Zeiten haben sich geändert im Rathaus, und es gibt einige, die wünschen sich Bernhard Schuler zurück. Der stets korrekt handelnde Jurist preschte nicht einfach vor, so wie es sein Nachfolger bisweilen praktiziert. Andere wiederum finden genau diese forsche Art nicht nur erfrischend, sondern erforderlich. Mit der Ära Schuler verbinden nicht wenige, in vielen Bereichen zu Unrecht, Stillstand. Schuler hat abgewogen, Kaufmann aber haut seine Ideen heraus, um Debatten zu entfachen.

Bestes Beispiel ist die Seilbahn. Dem heute 52-Jährigen schwebt eine Dreieckslinie über dem Zentrum vor, die die Altstadt, das Leo-Center und den Bahnhof miteinander verbindet. Ein Ausleger könnte übers Glemstal nach Höfingen gehen.

Die Reaktionen reichen von Stirnrunzeln bis „Schnapsidee“. Doch es gibt auch welche, die sagen: Lasst es uns einfach mal prüfen. Und genau das will Kaufmann. „Wenn wir das nicht machen, wird es nie einen echten Sprung nach vorne geben“, sagt der OB und verweist auf andere Städte, in denen über Seilbahnen diskutiert wird, etwa direkt nebenan in Stuttgart.

Die erste große Nagelprobe kommt am Nikolaustag: Am 6. Dezember berät der Planungsausschuss, ob eine Machbarkeitsstudie für die Seilbahn in Auftrag gegeben wird. Allein die kostet knapp 100 000 Euro. Kaufmann ist sich darüber im Klaren, dass er dafür kaum eine Mehrheit bekäme. Deshalb soll das Land die Hälfte übernehmen.

Hier könnte sich zeigen, wie eng sein Draht zum Verkehrsminister wirklich ist. Winfried Hermann war der Hauptredner bei seiner Amtseinführung. Dass Kaufmann hartnäckig sein kann, hatte der Grünen-Politiker schon damals angemerkt.

Ob mit oder ohne Seilbahn: Der Oberbürgermeister weiß, dass er vor allem wegen seines Versprechens, die Verkehrsprobleme zu lösen, gewählt worden ist. Er kennt die hohen Erwartungen: „Man muss den Leuten klarmachen, dass vieles schon angestoßen ist.“ Aber eben nicht gelöst: Weil: „Der Verkehr ist die härteste Nuss.“

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