Ehrenamtsempfang in Leonberg Das Engagement der Bürger ist eine kostbare Ressource

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Beim Ehrenamtsempfang in der Steinturnhalle ist es rappelvoll. Foto: Ute Jenschur

Leonberg - So voll ist die Steinturnhalle schon lange nicht mehr gewesen. Selbst die Empore ist bis auf den letzten Platz besetzt. Zwar ist der Empfang am Tag der Deutschen Einheit schon gute Tradition in Leonberg, bis hin zur goldenen Amtskette des Oberbürgermeisters. Diesmal aber sind die eingeladenen Ehrenamtlichen besonders neugierig, wie der neue Rathauschef die Feier gestalten wird.

Martin Kaufmann bleibt weitgehend in der Tradition seines Vorgängers. Doch eines ist neu: Jazz-Klänge empfangen die Besucher. Mit „Summertime“ und „Route 66“ erhält die Veranstaltung eine gewisse Leichtigkeit, die bei den Gästen gut ankommt. Vor allem die Frontfrau der Frith­jof Gänger Swing Band, Jeschi Paul, setzt mit einer stimmgewaltigen A-capella-Einleitung in die Jazz-Version der Nationalhymne einen musikalischen Höhepunkt. Die Besucher sind begeistert.

Wertschätzung des Engagements

Die Feier steht ganz im Zeichen der Wertschätzung für das Ehrenamt. So dankt Kaufmann zuallererst den zahlreichen Feuerwehrleuten, die aktuell am Vortag an der Löschung des Scheunenbrandes zwischen Rutesheim und Leonberg beteiligt waren. Und die auch sonst 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag, im Dienst der Öffentlichkeit stehen. Sein Dank gilt aber auch allen Ehrenamtlichen, die in der Stadt aktiv sind und sich für das Gemeinwohl einbringen. Sei es in Vereinen, Verbänden, Kirchen oder auch im Gemeinderat. „Denn auch dieses Amt ist ein Ehrenamt, was manchmal vergessen wird.“ Kaufmann schätzt die Diskussionskultur in diesem Gremium. „Denn es geht stets um die Sache, nicht um Befindlichkeiten. Das ist bei weitem nicht die Regel in Deutschland“.

Kaufmann ruft noch einmal die Geschichte der Maueröffnung ins Gedächtnis. Fast 30 Jahre ist es her, dass der Wille nach wirklicher Demokratie, nach gerechter Justiz und echter Freiheit die Menschen in der damaligen DDR angespornt hat. Sie wollten nicht länger der Willkür eines Staats ausgesetzt sein. Für ihre Freiheit gingen sie auf die Straße. Sie stellten dem Machtanspruch des SED-Regimes ihren Ruf entgegen, „wir sind das Volk“. Ein Ruf, der heute von rechtspopulistischen Gruppierungen missbraucht wird. Die Einheit ist heute für viele selbstverständlich, die Jüngeren kennen es gar nicht anders. „Aber wir müssen mit Achtsamkeit in die Zukunft schauen“, mahnt der Oberbürgermeister.

OB will die Vereine entlasten

In der Diskussion über die Entwicklung und Zukunftschancen der eigenen Region sei viel von wirtschaftlichen und natürlichen Standortfaktoren die Rede. „Ich meine“, sagt Kaufmann, „dass auch das bürgerschaftliche Engagement einen ganz erheblichen Standortfaktor und eine kostbare Ressource darstellt.“ In der Öffentlichkeit sei heute oft von einem Rückzug ins Private die Rede. Gerade deshalb habe das Ehrenamt so eine große Bedeutung und mache das Gemeinleben stark. Allerdings verhehlt Kaufmann auch nicht, dass die Bürokratie dem persönlichen Einsatz von Vereinsvorständen und Helfern oft Steine in den Weg legt. Hier wünscht er sich eine politische Debatte, hat aber auch praktische Lösungen parat. Er kündigt an, die Vereine konkret zu entlasten, etwa was das Thema Verkehrs-Schilder aufstellen bei Vereinsveranstaltungen betrifft. Diese Aufgabe wurde vor einiger Zeit den Vereinen aufgebürdet. Im Oktober wird ein entsprechender Vorschlag in den Gemeinderat eingebracht, wonach der Bauhof künftig wieder für die Aufstellung zuständig sein soll.

Für die Förderung örtlicher Vereine hat Leonberg gut zwei Millionen Euro im Etat 2019 eingestellt. Mehr als 15 Millionen Euro sind insgesamt für freiwillige Aufgaben vorgesehen. Freiwillig sind auch die Helfer des Obst-, Garten- und Weinbauvereins Eltingen-Leonberg am Ehrenamtstag im Dienst. Sie sorgen für die Bewirtung der Gäste mit frisch gepresstem Apfelsaft von heimischen Streuobstwiesen.

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