Ditzinger Altenheim im Wandel In der Villa wurde das Pflegeheim groß

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Das herrschaftliche Haus in Ditzingen – die ehemalige Villa ist die Keimzelle der Einrichtung für Senioren in der Großen Kreisstadt. Foto: factum/Granville

Ditzingen - Johannes Greif ist ein wenig ratlos, trotz seiner Erfahrung. Seit 1989 arbeitet er im Pflegeheim Haus Friederike in Ditzingen. Aber angesichts der Pflegesituation in Deutschland hat er eine Frage, auf die er keine Antwort kennt. „Wo soll das hin? Das ganze System passt nicht mehr“ konstatiert der Heimleiter. „Heime haben ein schlechtes Image. Aber sie sollen alles richten, auch wenn die Finanzierung fehlt.“ In dieser Situation helfen Greif derzeit vor allem „die richtigen Leute als Mitarbeiter“. Ihre Haltung müsse stimmen, zumal die Pflegekräfte dann viel leistungsfähiger seien. Doch gutes Personal sei rar.

Im Haus Friederike setzt man deshalb darauf, ein Stammpersonal aus eigenen Altenpflegeschülern aufzubauen. Von Herbst an sollen laut Greif mindestens zwei, vielleicht auch vier ihre Ausbildung beginnen.

Rückblick auf die Gründer

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen sieht sich das Haus für die Zukunft gewappnet – und blickt auch deshalb stolz zurück. Vor 25 Jahren entstand die Einrichtung, wie sie heute noch im Grundsatz besteht. Damals, 1993, wurde massiv erweitert. Das Haus bot statt für 36 nun Platz statt für 92 Heimbewohner. 91 Plätze sind es heute. Aufgabe sei es, die Einrichtung wirtschaftlich stabil zu halten, sagt Harald Wundel. Er ist der Geschäftsführer des Trägers, dem Philadelphia-Verein. Dieser geht auf das Ehepaar Christian und Friederike Röckle zurück.

Röckles waren tief religiös und sozial engagiert. Der Eltinger Christian Röckle gründete unter dem Eindruck der Inflation 1924 den Christlichen Notbund zur gegenseitigen Hilfe, aus dem die Leonberger Bausparkasse entstand. Er war in beiden Weltkriegen im Dienst der evangelischen Landeskirche, dazwischen ging er für einige Jahre als Missionar nach Ghana.

Mit seiner Frau gründete Röckle nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs den Philadelphia-Verein, ein freikirchliches Werk, das heute landesweit mehrere soziale Einrichtungen verantwortet. Die Verbundenheit des Vereins mit dem Herkunftsort Röckles blieb bis vor kurzem bestehen. Inzwischen hat der Verein laut seinem Geschäftsführer Harald Wundel seinen Sitz aber von Leonberg nach Ditzingen auf das Areal von Haus Friederike verlegt.

Dort hatte einst auch alles begonnen. In der Villa, die zur ehemaligen Ziegelei gehörte, richtete Friederike Röckle 1951 fünf Plätze ein. In der Folge wurde mehrfach erweitert. Das jüngste Gebäude, das dort entstand, ersetzt seit 2013 schon den ersten Erweiterungsbau aus den 50er Jahren. Fortan verfügte das Haus Friederike über mehr Einzelzimmer. Außerdem gibt es seitdem Betreutes Wohnen.

Mehr psychisch kranke Bewohner

Im Gegensatz zu früher werden im Haus Friederike inzwischen auch viele Schwerstpflegefälle betreut. Hochbetagte sind darunter, demente Menschen, Palliativpatienten, sowie jene, die aus dem Krankenhaus entlassen werden, zuhause aber noch nicht allein zurechtkommen.

Zudem betreue das Heim nach einer Gesetzesänderung von 2017 relativ viele chronisch psychisch Kranke, sagt die Pflegedienstleiterin Margot Köcher. Doch erst 2019 soll die Ausbildung entsprechend angepasst werden. So lange müssen die Mitarbeiter zusätzlich qualifiziert werden. Köcher muss nicht lange überlegen, was sie sich von der Politik wünschen würde: „ Mitarbeiter sollten so gut bezahlt werden, dass sie hier in der Region auch ohne Nebenjob eine Wohnung bezahlen können.“

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