„Demokratie leben“ in Weil der Stadt Die kleinste Stadt hat die meisten Teilnehmer

Von
Wie gelingt Integration? Und wie leben die Menschen aus allen Herkunftsländern gut zusammen? Das ist das Thema von „Demokratie leben“ in Weil der Stadt. Foto: Pixabay

Weil der Stadt - Viele Weil der Städter genießen es, aber wissen womöglich überhaupt nicht, woher das Geld kommt. Wenn sie zum Beispiel mit der evangelischen Kirche an einem Projekt zur Fahrradmobilität teilnehmen, wenn die Chorvereinigung Märchen im Orient und Okzident aufführt, wenn die Manufaktur ein internationales Frauenfest veranstaltet, wenn die Volkshochschule den Sprachcafé einschenkt oder wenn die Manufaktur zum internationalen Frauenfest einlädt.

Was all diese Projekte – und viele, viele weitere mehr – gemeinsam haben? Sie bekommen Geld von der Bundesregierung, denn schon seit 2015 nimmt Weil der Stadt an dem Bundesprogramm „Demokratie leben“ teil. Nur 21 weitere Kommunen in Baden-Württemberg bekommen Geld, meist sind das aber eher größere Kreisstädte. Weil der Stadt ist daher die kleinste Kommune. „Und trotzdem haben wir am meisten Teilnehmer“, sagt Wolfgang Carl nicht ohne Stolz. Der Pädagoge vom Verein für Jugendhilfe koordiniert die Projekte. Seit 2015 hat er 3844 Weiler gezählt, die teilgenommen haben.

Besonders die Integration ist den Weil der Städtern wichtig

In den kommenden Wochen werden da noch viele weitere dazukommen. Dann veranstalten Stadt und Verein für Jugendhilfe wieder die Aktionswochen „Vielfalt in Weil der Stadt, das beste gegen Einfalt“. Zwölf Veranstaltungen machen dann wieder in besonderer Weise auf den Sinn des Projekts aufmerksam – denn den hat man klar definiert. „Wir in Weil der  Stadt wollten es vor allem mit Integration beleben“, sagt Tanja Kübler, die Amtsleiterin für Jugend und Soziales der Stadtverwaltung.

Kübler war es, die 2015 das Projekt „Demokratie leben“ des Familienministeriums ausfindig gemacht und dann den 20-seitigen Antrag geschrieben und nach Berlin geschickt hat. Das zahlt sich vor allem finanziell aus. Insgesamt 375 000 Euro fließen während der Laufzeit von 2015 bis 2019 nach Weil der Stadt. „Wir als Stadtverwaltung bekommen zwar das Geld, dürfen aber selbst keine Projekte veranstalten“, erklärt Kübler. Ziel sei es nämlich, die Zivilgesellschaft und die Bürgerschaft zu stärken. Daher sind es die Vereine, die bei ihrer Arbeit mit dem Geld unterstützt werden. 5000 Euro gehen außerdem jährlich an den Jugendbeirat und schließlich wird die Teilzeitstelle von Wolfgang Carl mit den Mitteln finanziert.

Ein Viertel aller Vereine in Weil der Stadt ist engagiert

„Ich versuche die Vereine vor allem darin zu unterstützen, dass es noch viele weitere Geld-Töpfe gibt“, berichtet Carl. Und das sei erfolgreich, finden Kübler und Carl und ziehen ein positives Zwischenfazit aus drei Jahren „Demokratie leben“. „Ich schätze, dass sich etwa ein Viertel aller Vereine in Weil der Stadt engagiert und Projekte veranstaltet haben“, sagt die Sozialamtsleiterin. Gewachsen sei zum Beispiel auch die Kooperation der Vereine untereinander, die Projekte zusammen veranstalten. „Das Programm ist mittlerweile ein Begriff in Weil der Stadt.“

Und dass Demokratie ein schützenswertes Gut ist, das haben zuletzt nicht nur die Ereignisse in Chemnitz gezeigt. Auch in Weil der Stadt behält die Stadtverwaltung die Entwicklungen im Auge, sagt Kübler: „Die Polizei berichtet uns, dass es hier ­keinen offenen Rechtsextremismus auf der Straße gibt.“ Die Wahlergebnisse zeigen aber durchaus Potenzial, bei der jüngsten Landtagswahl bekam die AfD in Weil der Stadt fast 16 Prozent. „Deswegen sind wir mit dem Programm auch an den Schulen“, berichtet die Amtsleiterin.

Artikel bewerten
3
loading
Strohgäu Leonberg Rutesheim Weil der Stadt Renningen Weissach Enzkreis-Gemeinden