Dagmar Meyer Menschliche Schicksale sind ihr Thema

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Preisträgerin Dagmar Meyer mit ihrem ersten Buch. Foto: factum/Weise

Weil der Stadt - Man muss mehr dafür tun, die Menschen wieder für das Lesen, für Bücher und auch für das Schreiben zu begeistern, damit Sprach- und Ausdrucksfähigkeiten nicht verloren gehen“, sagt Dagmar Meyer. Die Weil der Städterin ist eine der Gewinnerinnen des Schreibwettbewerbs, den der Böblinger Kreisseniorenrat jedes Jahr organisiert. Genauer gesagt ist Dagmar Meyer die Gewinnerin des Preises, den die Leonberger Kreiszeitung im Rahmen des Wettbewerbs ausgelobt hat.

Ihre Kurzgeschichte zum Thema „Vergebung – Versöhnung“ hat die Jury überzeugt. Darin geht es um die Vertreibung eines jüdischen Mädchens aus ihrer polnischen Heimat während des Zweiten Weltkriegs, um ihre Verbitterung darüber und um die späte Versöhnung mit einem der Täter, der ihr viele Jahrzehnte später eine kostbare Erinnerung an die ermordeten Eltern wiederbringt.

„Das Thema hat mich lange bewegt“, erzählt die aktive und reiselustige Seniorin, die schon nahezu die ganze Welt bereist hat. „Es ging mir immer wieder durch den Kopf, beim Einkaufen, beim Schwimmen, im Urlaub – und irgendwann hatte ich den ersten und den letzten Satz im Kopf.“ Das ist ihr kreativer Prozess: „Einfach drauflos schreiben, das bin ich nicht. Bei mir reifen die Geschichten im Kopf, Anfangssatz und der letzte Satz sind im Geiste formuliert. Und erst dann geht es ans Schreiben.“

Dagmar Meyer schreibt seit ihren Jugendtagen

Die pensionierte Lehrerin für Deutsch, Erdkunde und Ethik schreibt schon seit ihren Jugendtagen. Sozusagen aus der Not geboren nutzte sie ihr Talent, um sich mit Artikeln für die Kinderseite der Geesthachter Lokalzeitung ihr Taschengeld aufzubessern. Später jedoch, um ihre Lebens- und Familiengeschichte und damit ein Stück deutscher Geschichte nicht verloren gehen zu lassen.

Geboren ist Dagmar Meyer 1940 in Ostpreußen. Ende 1945 zog sie mit ihrer Mutter und ihren beiden Geschwistern ins holsteinische Geesthacht nahe Hamburg. Dort wartete der Vater auf sie. Er war Arzt, versorgte und begleitete seit dem ersten Polenfeldzug 1939 verwundete Soldaten. Was er erlebte und was ihn bewegte, das schrieb er in etlichen Briefen an seine Frau. Die Briefe sind erhalten geblieben, ebenso ein Album, das die persönlichen Aufzeichnungen der Mutter enthält. Beides zusammen ist die Grundlage für Dagmar Meyers erstes Buch „Verliere nicht dein tapferes Herz“, das sie im Selbstverlag herausgebracht hat, und dem über die Jahre weitere Bände gefolgt sind.

Schreiben ist ein wichtiger Teil ihres Lebens

Das Schreiben ist ein wichtiger Teil ihres Lebens, obschon sie einige Jahre damit ausgesetzt hat. „Familie und Beruf haben mich gefordert“, erzählt die Mutter zweier Söhne, „und als Deutschlehrerin musste ich so vieles lesen, korrigieren und beurteilen, dass ich keine Energie mehr für mein Schreiben aufgebracht habe.“ Doch im Ruhestand hat sich das geändert. Vor etwa zehn Jahren besuchte sie zum ersten Mal eine Schreibwerkstatt der Volkshochschule, bei der sie bis heute mit großer Begeisterung dabei ist. Parallel dazu entdeckte sie beim Zeitunglesen zufällig die Ausschreibung des Kreisseniorenrates für den Schreibwettbewerb und beschloss, teilzunehmen. Einen Preis hat sie damals zwar nicht gewonnen, doch die Lust an der Kunst des Schreibens war wieder da.

In diesem Jahr haben übrigens deutlich weniger Teilnehmer einen Beitrag zum Wettbewerb eingereicht als sonst, 41 waren es. „Vielleicht lag es an dem doch ein wenig sperrigen Thema“, vermutet Horst Hörz, Vorstandsmitglied des Kreisseniorenrates, der in den vergangenen Jahren schon mehr als die doppelte Anzahl an Beiträgen verbuchen konnte.

Dagmar Meyer ist bei der Preisverleihung eine besondere Ehre widerfahren. „Ich saß ein wenig hinten“, erzählt sie, „und plötzlich hörte ich meinen Namen und dass ich aufgefordert wurde, meinen Text vorzutragen.“ Sie kam nach vorne zur Bühne, völlig überrascht und unvorbereitet. „Ich hatte natürlich auch den Text nicht dabei“, sagt sie und lacht. Den Vortrag hat sie dann aber auch mit einem geliehenen Textblatt mit Bravour gemeistert. Etliche Teilnehmer seien nach der Preisverleihung auf sie zugekommen, um sie dazu zu beglückwünschen. Das, und die Tatsache, dass der Wettbewerb im nächsten Jahr zum 30. Mal stattfindet, gibt ihr Auftrieb. Das Thema „Geplatzte Träume“ arbeitet schon in ihr.

Der Schreibwettbewerb

Der Kreisseniorenrat Böblingen (KSR) organisiert jedes Jahr einen Schreibwettbewerb, im nächsten Jahr zum 30. Mal. Mitmachen können auch junge Autoren, für die extra zwei Sonderpreise geschaffen wurden, gemäß des Anspruchs des KSR, eine Brücke zwischen Alt und Jung zu sein.

Der Kreisseniorenrat Böblingen (KSR) organisiert jedes Jahr einen Schreibwettbewerb. Insgesamt werden damit 20 Preise verteilt, die alle gleich gewichtet werden. Die Jury besteht aus Vertretern des KSR und der Kreissparkasse Böblingen sowie je einem Vertreter der vier Lokalzeitungen im Landkreis Böblingen.

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