Citizen-Science-Projekt im Strohgäu Per Mausklick auf Gepardenpirsch

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Volltreffer: Dieser Gepard hat sich von der Kamerafalle besonders schön ablichten lassen. Weitere Schnappschüsse aus der Savanne finden Sie in unserer Bildergalerie. Foto: privat/AGA

Korntal-Münchingen - Birgit Braun geht gerne auf Gepardenjagd. Nicht in den Savannen Afrikas, sondern im Strohgäu. Und nicht mit Gewehr und Feldstecher, sondern mit Maus und Monitor. 1,2 Millionen Fotos aus der namibischen Steppe müssen gesichtet werden. „Das ist eine Mammutaufgabe“, sagt die Geschäftsführerin der Aktionsgemeinschaft Artenschutz in Korntal-Münchingen.

Doch sie ist mit dieser Aufgabe nicht alleine. Das Artenschutzprojekt für Geparden ist seit Neuestem ein Projekt für alle: Jeder, der mag, kann sich auf der Homepage des Cheetah Conservation Funds (CCF) aus Namibia Bilder der Greater Waterberg Landscape, einer Landschaft im Zentrum Namibias, ansehen und dabei helfen, Wanderrouten und bevorzugte Aufenthaltsorte der Raubkatzen ausfindig zu machen. Citizen Science, Bürgerwissenschaft, wird diese Form der Beteiligung von Laien an wissenschaftlichen Projekten genannt.

Viele Bauern töten Geparden, weil sie ihre Nutztiere angreifen

Noch etwa 7500 Geparden leben in Afrika in freier Wildbahn, mehr als die Hälfte davon in Namibia. „In den vergangenen hundert Jahren haben wir 90 Prozent der weltweiten Population von Geparden verloren“, schreibt die CCF-Gründerin Laurie Marker auf der Webseite der Organisation. Wolle man die Tiere auch noch in den nächsten 100 Jahren erhalten, müsse man deren größte Bedrohungen bekämpfen: Illegalen Tierhandel, Habitats-Verluste sowie Konflikte mit Menschen. Häufig töten Bauern die Raubkatze, weil sie ihr Nutzvieh angreifen.

Die Tierschützer wollen das Wanderverhalten der Großkatzen genau erforschen – mit Hilfe aus Korntal-Münchingen. Vor drei Jahren hat die Aktionsgemeinschaft Artenschutz (AGA) ihrer Partnerorganisation in Namibia 43 Kamerafallen im Wert von 5000 Euro finanziert. Diese speziell für Wildtierbeobachtungen hergestellten Kameras lösen unbemerkt aus, wenn ein Gepard in ihre Nähe kommt.

Die Kameras unterscheiden keinen Tierarten

Das Problem: „Die über das Gebiet verteilten Geräte unterscheiden keine Tierarten“, sagt Braun. So löst eine streunende Hyäne ebenso den Bewegungssensor aus wie ein neugieriges Warzenschwein. Seit 2015 kamen dadurch knapp 1,2 Millionen Fotos zusammen. „Diese Menge birgt einen riesigen Schatz an wertvollen Daten – und bedeutet eine ganze Menge Arbeit“, sagt Braun. Jedes Bild muss gesichtet, jedes Tier einer Art zugeordnet werden. Daher die Idee, das Projekt mit dem Namen „Cheetahs of Central Namibia“ als Citizen Science zu betreiben.

Auf der Homepage bekommt der interessierte Laie eine kurze Einleitung, wie er Fotos am besten zuordnen kann. Rechts vom Hauptbild sieht er zum Vergleich kleine Kacheln mit 51 möglichen Tierarten – plus einer Kachel für Menschen: Projektmitarbeiter, die aus Versehen in eine Kamerafalle getappt sind. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, wird aber empfohlen, damit man mit anderen Nutzern und Experten über nicht eindeutige Bilder diskutieren kann. Manchmal sieht man nämlich nur ein Hinterteil ins Bild ragen oder auch gar nichts, weil es dunkel ist.

Ein Problem des Projekts: Wilderer

Wie bei vielen Artenschutzprojekten, die versuchen, den Lebensraum und die Routen einer Art zu bestimmen, gibt es auch hier ein Problem: Wilderer. Die könnten die gesammelten Daten nämlich für ihre Jagdzüge nutzen. Aus diesem Grund möchten CCF und AGA beispielsweise Ergebnisse zu den gefährdeten Nashörnern, die dort ebenfalls vorkommen, nur sehr zurückhaltend kommunizieren.

Es gibt keinen Zeitplan, bis wann alle Fotos ausgewertet sein müssen. „Je früher, desto besser für die Geparden“, sagt Braun.

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