Cécile Varny Quartet in Leonberg Songs mit Geschichte und Persönlichkeit

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Sehr beeindruckend: Die Sängerin setzt ihre Stimme als Klanginstrument ein. Foto: factum/Bach

Leonberg - Das Cécile Verny Quartet kommt gerne nach Leonberg – und die Leonberger kommen gerne zum Cécile Verny Quartet. Und so ist es kein Wunder gewesen, dass das Ensemble am Sonntagabend im Rahmen des Internationalen Tags des offenen Denkmals schon zum fünften Mal zu Gast waren. Vor zehn Jahren hat die Christian-Wagner- Gesellschaft sie zum ersten Mal eingeladen. Die vier Musiker spielten vor vollem Haus – und besser denn je. Von der Uraufführung bis zum „Best of“ war beim Programm alles vertreten.

Passend zur Jahreszeit machte der Titel „Automne“ den Anfang, so heißt der Herbst auf Französisch. Sängerin Cécile Verny hat französische Wurzeln, weswegen, wie sie anmerkte, das erste Set auch etwas französischlastig war. Weil Verny aber immer auf sehr charmante Weise erzählte, worum es im jeweiligen Song ging, war es gar nicht unbedingt notwendig, die Texte zu verstehen. Ohnehin lebt die Musik des Quartetts zu großen Teilen von der betörenden Homogenität des Klangs, der freilich von Song zu Song wechselt und dabei jeweils eine ganz eigene Persönlichkeit besitzt. In „Automne“ wie auch bei vielen anderen Nummern zeigte sich die Sängerin als Meisterin des Scat-Gesangs und bewies, wie ungeheuer vielseitig die menschliche Stimme sein kann, wenn man sie als reines Klanginstrument einsetzt. Um den Nuancenreichtum der verfärbten Blätter im Herbstwald ging es, die den Maler verzweifeln lassen, weil es ihm partout nicht gelingen will, sie zu malen. Mit einem Augenzwinkern entstand wohl der Text zur zweiten Nummer „À Gainsbourg“, den Pianist Andreas Erchinger komponiert hat. Sie habe sich immer gewünscht, dass der große französische Chansonnier etwas für sie schreibe, erzählte Cécile Verny. Allerdings haben die beiden sich nie persönlich kennengelernt – und außerdem möge Gainsbourg keine Sängerinnen mit starken Stimmen. Also habe sie sich selbst helfen müssen. Ziemlich funky groovte diesmal die Band, zu der neben Erchinger am Klavier Bernd Heitzler am Bass und Lars Binder an den Drums gehören. Ein leiser Hauch von Ironie machte das Mitgrooven bei diesem Titel besonders vergnüglich.

Kraftvolle Afro-Beats und balladeske Melodien

Mehrere Vertonungen von Gedichten aus der Feder des englischen Poeten William Blake standen auf dem Programm – die Spezialität von Andreas Erchinger. Sanft und balladesk gab sich beispielsweise „A poison tree“, in dem es darum geht, wie schädlich Ärger sich auswirken kann, wenn er nicht ausgesprochen wird. Ganz ruhig und leise strahlte diesmal das Timbre der Sängerin. Ganz anders „The wild heart of the earth“, das Bassist Bernd Heitzler geschrieben hatte. Starke, trockene Beats schufen eine coole, positive Grundstimmung mit guten Gelegenheiten für grandiose Soli. Auch von Schlagzeuger Lars Binder war eine Komposition mit dabei: „Seule, tout seule“, eine „Heavy-Metal-Ballade“, wie Verny und Binder witzelten. Zu kraftvollen Afro-Beats gesellten sich schwelgerische Klänge und eine starke, strömende Stimme. Gut vermittelte sich da der Inhalt, in dem es darum ging, wie ein Mensch seine Angst besiegt und mutig voranschreitet.

Als Dank für die Treue schenkte das Ensemble seinem Publikum nach dem langen und begeisterten Applaus eine besondere Zugabe: die erste öffentliche Aufführung von „I heard an angel singing“. Die leuchtend warme Ballade entließ die Zuhörer in den bereits recht kühlen Herbstabend.

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