Bosch Sinfonieorchester gibt Benefizkonzert Mit Verve, Witz und Virtuosität

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Nicht nur das Orchester mit seinem transparenten Klang und den fein austarierten Übergängen, sondern auch der Solist des Abends bot eine professionelle Leistung. Foto: factum/Bach

Leonberg - Das ist wirklich eine Meisterleistung gewesen, was die Bosch-Mitarbeiter hingelegt haben. Nicht etwa im Austüfteln technologischer Finessen, sondern beim Musizieren zu Gunsten des zehnjährigen Bestehens der Leonberger Stiftung „Zeit für Menschen“. Das 80-köpfige Bosch Sinfonieorchester schenkte dem Publikum unter Leitung von Hannes Reich in der sehr gut besuchten Stadthalle zwei Stunden schönster sinfonischer Klangkunst. Diesen Genuss ließ sich auch der neue OB Martin Kaufmann nicht entgehen, der seinen ersten Arbeitstag in Leonberg mit diesem Konzert ausklingen ließ.

International besetzt

Zehn Konzerte hat das Orchester 2017 gespielt. Außer in Leonberg ist es auch in zahlreichen Ländern Europas sowie Australien, China, Japan und Südkorea zu Gast gewesen. „Im Orchester selbst spielen Mitarbeiter aus zehn Ländern“, erzählt der Leiter des Standorts Leonberg, Stephan Stass. Darauf seien sie ganz besonders stolz. Gründe dafür gibt es allemal, wie es am Freitagabend zu hören war. Denn nicht nur das Orchester mit seinem schlanken, transparenten Klang und den fein austarierten Übergängen sondern auch der Solist des Abends bot eine wirklich professionelle Leistung. Pianist Christian Döring verzauberte und beeindruckte sein Auditorium mit einer wunderbaren Interpretation von Edvard Griegs Klavierkonzert a-Moll (op. 16). Kaum zu glauben, dass der Musiker am Klavier im Alltag seit 1989 bei der Robert Bosch GmbH im Forschungsbereich Mikrosystemtechnik arbeitet. Im ersten Satz wechselten schwellende Emotionen mit jazzig gefärbten Elementen und lyrischen, verträumten Passagen. Stets bildeten Orchester und Solist dabei ein homogenes Ganzes mit fein austarierten Klangfarben, sensibler Agogik und geschmeidigen Übergängen. Mit warmem Glosen bereiteten die Streicher das Klangkissen für den Solisten im zweiten Satz. Versonnen ließ dieser die Klänge seines Instrumentes leise perlen. So spannen sie gemeinsam ein feines Gewebe, das zum Schweifenlassen der Gedanken einlud.

Lyrisches Flötenintermezzo

Temperamentvoll und frech intonierten sie den dritten Satz – mit Verve, Witz und mitreißender Virtuosität. Nach einem lyrischen Flötenintermezzo träumte das Klavier über romantischen Arpeggien. Mit einem ungestümen Galopp mündete der vierte Satz ins klangmächtige, sinfonische Finale. Einen riesigen Applaus gab es für den Solisten und sein stets gefühlvolles, jedoch an keiner Stelle sentimentales Spiel und das Orchester, dass ihm hätte kein besserer Partner sein können.

Sein Vermögen als vielschichtiger und flexibler Klangkörper stellte es dann nach der Pause mit Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 4 B-Dur (op. 60) unter Beweis. Zuvor jedoch erklärte Dirigent Hannes Reich dem Publikum auf ebenso charmante wie verständliche Weise die wichtigsten musikalischen Motive und ihre Verarbeitung. So wurde Beethovens Meisterleistung in Sachen Komposition sowie sein Einfallsreichtum beim Zuhören wie selbstverständlich noch deutlicher. Dass Beethoven wahrscheinlich verliebt war, als er dieses Werk schrieb, konnte man sich ebenfalls sehr gut vorstellen.

Inge Horn, Schirmherrin und Sprecherin des Stiftungskreises der Leonberger Stiftung „Zeit für Menschen“ dankte dem Ensemble begeistert und lud es gleich für ein nächstes Konzert in fünf Jahren ein. Für das Publikum, dessen Applaus nicht enden wollte, gab es noch einen Ausflug in die „Halle des Bergkönigs“ aus Edvard Griegs Peer-Gynt-Suite.

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