Böblingen/Sindelfingen VHS lädt Impfgegner als Referenten aus

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In dem Webinar der VHS sollte das Thema Impfen behandelt werden. Foto: Symbolbild/dpa

Böblingen - Soll es zu einer Impfpflicht kommen?“ – so lautet der Titel eines Webinars, das die Volkshochschule (VHS) Böblingen/Sindelfingen für den 22. Februar angesetzt hatte. Als Referenten hatte man Hans U. P. Tolzin auserkoren. Die Veranstaltung sollte über das Internet an Volkshochschulen im ganzen Land übertragen werden. Doch jetzt rudert die VHS zurück und lädt den Referenten aus. Der Grund: Tolzin ist als Impfkritiker bekannt.

VHS bedauert den Recherchefehler

„Wir wollen nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten“, sagt Christian Fiebig, der Geschäftsführer der VHS Böblingen/Sindelfingen, am Donnerstag. Als man Tolzin engagiert habe, sei der VHS ein Fehler bei der Recherche unterlaufen. „Ich weiß nicht, wie es dazu kommen konnte“, sagt Fiebig. Er bedaure dies. Andere Volkshochschulen hätten ihn darauf aufmerksam gemacht. „Wir haben dann innerhalb von zwei Stunden reagiert“, sagt Fiebig.

Fest steht: wer den Namen Hans Tolzin im Internet in eine Suchmaschine eingibt, der findet zahlreiche Webseiten, auf denen sich der gelernte Molkereifachmann kritisch über Themen rund ums Impfen äußert. Im „Tolzin Verlag“ mit Sitz in Herrenberg publiziert er eine dem Impfen skeptisch gegenüberstehende Zeitschrift namens „Impfreport“ und betreibt darüber hinaus die Webseite impfkritik.de. Außerdem hat er bereits mehrere Bücher veröffentlicht, sie tragen Titel wie „Die Tetanus-Lüge“ oder „Die Seuchen-Erfinder – Von der Spanischen Grippe bis EHEC – So werden wir von unseren Gesundheitsbehörden für dumm verkauft!“.

Webinare als Böblinger Spezialität

Unangenehm ist, dass der VHS gerade im prestigeträchtigen Bereich der Webinare ein solcher Fehler unterlaufen ist. Immerhin ist dieses Format fast so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal der örtlichen Volkshochschule. „Wir sind in diesem Bereich führend“, sagt Andrea Laufer-Newcomb von der VHS Böblingen/Sindelfingen. Dieses Produkt sei praktisch vor Ort entwickelt worden.

Bei einem Internetseminar, kurz Webinar, wird der Vortrag eines Referenten mit Hilfe einer Webcam live im Internet übertragen. Bis zu 80 Volkshochschulen in ganz Deutschland können diese Form des Seminars in ihr Programm aufnehmen und ihren Kunden anbieten. Manche organisieren einen Raum, in dem sich die Teilnehmer den Vortrag auf einer Großbildleinwand gemeinsam anschauen können. Am Ende des Vortrags können die Zuschauer den Referenten in einem Chat Fragen stellen. Webinare werden in ganz unterschiedlichen Bereichen angeboten, beispielsweise Politik, Gesundheit und Kultur.

Auf der Webseite der Volkshochschule steht das Impfpflicht-Webinar derzeit zwar noch, allerdings fehlt der Name eines Referenten, denn die Volkshochschule sucht nun nach einem neuen Vortragenden. Sollte niemand für den 22. Februar gefunden werden, sei ein Alternativtermin denkbar, berichtet Fiebig. Kunden, die bereits für die Veranstaltung bezahlt hätten und daran dann nicht teilnehmen könnten, sollen ihre Gebühr von der Volkshochschule erstattet bekommen.

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