Baugebiet in Mönsheim Anwohner sprechen von Vertrauensbruch

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Bewohner in Appenberg und Gödelmann haben Angst, dass sich das Bild ihrer Wohngebiete drastisch verändert. Foto: Andreas Gorr

Mönsheim - Jürgen Neumann ist sauer und spricht von Gerechtigkeitsdefizit und Vertrauensbruch. „Als wir damals hierher gezogen sind, haben wir uns darauf verlassen, dass der Bebauungsplan Bestand hat“, sagt er. Nun aber wolle die Gemeinde im Wohngebiet Gödelmann auf einem ­bisher als Gemeinbedarfsfläche ausgewiesenen Grundstück eine „massive Wohn­bebauung“ zulassen. Eine Änderung des Bebauungsplans soll dies ermöglichen (wir berichteten).

Schon im Vorentwurf hatte Neumann, der wie viele seiner Nachbarn in einem Einfamilienhaus in dem jüngsten Mönsheimer Wohngebiet lebt, den Plänen widersprochen. Der Gemeinderat hatte jedoch die Einwendungen nicht berücksichtigt – und zwar einstimmig. Doch Jürgen Neumann und seine Mitstreiter geben nicht auf. Auch jetzt, im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung für den Entwurf des Bebauungsplans, der noch vor Weihnachten verabschiedet werden soll, hat Jürgen Neumann seine Einwände geltend gemacht und dafür mehr als zwei Dutzend Mitunterzeichner gefunden.

Was stört die Bewohner im Gödelmann und Appenberg an den Plänen der Kommune, drei dreigeschossige Mehrfamilienwohnhäuser zwischen der Straße „Im Gödelmann“ und dem Sportplatz zu bauen? Zum einen wenden sie sich gegen die mehrgeschossige Wohnbebauung selbst. Diese würden dem Grundsatz, dass sich ein Bauvorhaben in die nähere Umgebung einfügen soll, nicht gerecht. Bekanntlich will die Gemeinde als Bauherrin in drei Gebäuden auf dem Flurstück 6730 bis zu 20 Wohnungen erstellen.

„Sozialer Wohnungsbau führt zu Verwerfungen“

Der Architekt und Stadtplaner Jörg Weller, der schon lange in Mönsheim wohnt und arbeitet, hält dagegen. „Diese Zone hier ist geprägt durch Einfamilien- oder Doppelhäuser. Sozialer Wohnungsbau führt zu Verwerfungen“, sagt er. Die Gebäude, die dort entstehen sollen, könnten eine Firsthöhe von bis 13 Meter haben und talseitig vier Geschosse hoch sein. Die Fläche, die nun für Geschosswohnungsbau geopfert werden solle, fügt Jürgen Neumann hinzu, sei prädestiniert für ­soziale Einrichtungen, etwa einen Kindergarten-Neubau.

Und hier kommt der zweite Argumentationsstrang der Kritiker der Bebauungsplanänderung ins Spiel. „Seit vielen Jahren gibt es Überlegungen, auf dieser Fläche eine moderne Kindertagesstätte zu bauen“, heißt es in der Stellungnahme einiger Bewohner im Appenberg und Gödelmann. Dagegen hatte der Gemeinderat erst vor Kurzem eine Bebauungsplanänderung ­beschlossen, die eine Erweiterung des bestehenden Kindergartens Wichtelhaus im Appenberg möglich macht. Auch hiergegen gab es Proteste der Anlieger. Und das nicht nur wegen des jetzt schon „chaotischen Bring- und Holverkehrs“, so Neumann, der sich durch noch mehr Kinder dort weiter verschlimmere.

Bürgermeister bezieht Stellung

Der Bürgermeister Thomas Fritsch entgegnet auf Nachfrage, dass die Gemeinde nie explizit gesagt habe, dort auf der in der Diskussion stehenden Gemeinbedarfsfläche einen Kindergarten bauen zu wollen. „Der Bebauungsplan für das Gebiet Gödelmann wurde 1998 aufgestellt“, erklärt Fritsch. Während des Aufstellens sei darüber gesprochen worden, dort eventuell einen Kindergarten zu bauen. Aber schon bevor der Bebauungsplan beschlossen worden sei, habe die Gemeinde ein Verwaltungs­gebäude in der Baumstraße im Appenberg gekauft, in dem noch heute der Kinder­garten untergebracht sei.

Als es jetzt aktuell um die Erweiterung des Kindergartens ging, sei kurzfristig wieder diese Gemeinbedarfsfläche ins Spiel gekommen, so Fritsch. Aber es gebe noch gar keinen Beschluss, das Wichtelhaus durch einen Anbau zu erweitern und es sei auch ungewiss, ob der komme. „Wir haben immer nur zum Ende des Kindergartenjahres einen Engpass, aber bei einer normalen ­Reproduktionsrate reichen die Plätze aus“, ist sich Thomas Fritsch sicher.

Verständnis für die Nachbarn

Und was ist mit dem Gerechtigkeitsdefizit, mit der Annahme der Menschen, die vor etlichen Jahren in die Neubaugebiete gezogen sind, dass dort auch langfristig nur kleinteilige Bebauung möglich ist? Der Bürgermeister entrollt den damals beschlossenen Bebauungsplan und zeigt im Lageplan auf die Gemeinbedarfsfläche. Dort prangt fast auf der gesamten Fläche eine dicke lilafarbige Umrandung. „Die Menschen unterliegen einem Trugschluss. Wir hätten nach dem jetzt noch gültigen Bebauungsplan von 1998 viel massiver ­bebauen können, als wir es jetzt tun.“ Man hätte einen einzigen Baukörper dorthin setzen können, der noch einen halben ­Meter hätte höher sein können als jene ­Gebäude, die nun geplant seien.

„Ich habe Verständnis dafür, dass die Leute, die direkt in der Nachbarschaft wohnen, nicht glücklich sind“, gibt der Bürgermeister zu. Aber die Nachfrage nach Wohnraum sei groß. Das gelte inzwischen längst nicht mehr nur für die Städte selbst, ­sondern auch für das Umland.

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