Bandenkrieg zwischen Türken und Kurden Kurden dominieren die Szene in Stuttgart und Ludwigsburg

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Schlagstöcke, Schusswaffen, Geld und Marihuana: Das Ergebnis einer Razzia bei den Osmanen Germania BC. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Ludwigsburg/Stuttgart - Angezündete Autos, Auftritte mit Baseballschlägern und Macheten, Aufmärsche, Gewalt und versuchte Tötungsdelikte: Der Bandenkrieg zwischen nationaltürkischen und kurdischen Gruppierungen in Stuttgart und Ludwigsburg ist nichts für schwache Nerven. Bei einer landesweiten Razzia wurden Schusswaffen gefunden, das Landeskriminalamt (LKA) zählt derzeit über 80Verfahren gegen Mitglieder beider Gruppierungen.

Die Polizei hat mit massiver Präsenz, vielen Kontrollen und Durchsuchungen sowie Untersuchungshaft selbst bei kleineren Delikten versucht, den Konflikt zu beruhigen. „Wir haben den Druck erhöht“, erklärt Ulrich Heffner, der Sprecher des Landeskriminalamts. Der Anlass war eine Eskalation im vorigen November, als 30 Mitglieder der Osmanen am Ludwigsburger Bahnhof mit Holzstöcken auf einen Mann einprügelten. „Dieser Vorgang hat das Sicherheitsgefühl der Bürger stark beeinträchtigt“, sagt Ulrich Gruber, der beim LKA zuständige Inspektionsleiter.

Inzwischen sind 16 Mitglieder des türkischen Boxclubs Osmanen Germania BC in Haft, unter anderem der Präsident der Ortsgruppe Stuttgart – die Osmanen sprechen von Chapter – und zahlreiche wichtige Funktionäre. Mehrere Prozesse gegen einzelne Mitglieder laufen, die Organisation ist geschwächt. Die Zahl der registrierten Anhänger ging von 150 auf 100 in der Region zurück. „Die jüngst ergangenen Gerichtsurteile dürften eine gewisse Signalwirkung entfaltet haben“, sagt Peter Widenhorn, der Sprecher des Ludwigsburger Polizeipräsidiums. Eine 20-köpfige Ermittlungsgruppe im LKA ermittelt mit anderen Polizeidienststellen.

Kurden protifieren von Schwächung des Osmanen-Boxclubs

Durch die Schwäche der Osmanen können aber offenbar die kurdischen Bahoz-Aktivisten Erfolge vermelden. Laut eigenen Angaben haben sie „Stuttgart erobert“. Zwar wurde jetzt ein führender Kopf der Bahoz-Gruppe in Ludwigsburg verurteilt, weil er in Asperg einen Osmanen-Anhänger überfallen hatte. Aber er kam mit einer Bewährungsstrafe davon und ist wieder auf freiem Fuß. Nur zwei weitere Bahoz-Leute sitzen derzeit ein. So hat sich die Bande nicht nur gegen die rivalisierende Gruppe United Tribuns, sondern auch gegen die Osmanen durchgesetzt. Vorläufig. „Wir verfolgen die Lage sehr genau, um bei einer Verschärfung wieder intervenieren zu können“, erklärt Widenhorn für die Ludwigsburger Polizei.

Auch das Referendum über die Verfassungsreform in der Türkei Mitte April hat das Konfliktpotenzial gezeigt: Plötzlich waren die Osmanen mit einem Aufmarsch in Stuttgart präsent, um Erdogan-Gegner einzuschüchtern. Und bei den Prozessen demonstrieren die Türken Präsenz.

Das zeigt, wie straff organisiert und schlagfertig der selbst ernannte Boxclub ist. Was steckt hinter dieser Gruppierung? Gegründet wurde das erste Chapter im Jahr 2015 in Frankfurt durch den Boxer Mehmet Bagci und Selcuk „Can“ Sahin, aus dem Umfeld der Hells Angels stammt. „Ziel war es, möglicht schnell viele Mitglieder zu gewinnen“, sagt der LKA-Experte Ulrich Gruber. Während bei traditionellen Rockerclubs lange Aufnahme- und Bewährungsprozeduren üblich seien, gehe das bei den Osmanen viel schneller.

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