B295/B464 Die große Einigung beim Lückenschluss

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Die Hauptarbeiten zum Lückenschluss müssen auf die Autobahn warten, darin sind sich jetzt alle einig. Foto: factum/Granville

Kreis Böblingen - Dass dieser Tag so bald kommt, damit hätten sicher die wenigsten gerechnet. Über Monate, zum Teil Jahre, zogen sich die Meinungsverschiedenheiten und öffentlich geführten Streits zwischen den Verantwortlichen rund um das Thema Lückenschluss, die Verbindung der B 295 und der B 464 bei Renningen. Der Lückenschluss muss vor dem Ausbau der A 81 bei Böblingen/Sindelfingen kommen, forderte die eine Seite. Das ist nicht möglich, konterte die Gegenseite.

Nach einem Treffen im Verkehrsministerium haben am Mittwoch alle Gesprächsteilnehmer eine gemeinsame Presseerklärung herausgegeben. Darin steht, zusammengefasst: „Einig waren sich alle Beteiligten, dass der Bau des Lückenschlusses erst beginnen kann, wenn der sechsstreifige Ausbau der benachbarten A 81 zwischen Böblingen-Hulb und Kreuz Stuttgart abgeschlossen ist.“

Treffen im Verkehrsministerium

Bei dem Treffen waren der Amtschef des Ministeriums, Uwe Lahl, der Böblinger Landrat Roland Bernhard, die Bürgermeister Wolfgang Faißt (Renningen), Hans-Ulrich Merz (Magstadt) und Martin Kaufmann (Leonberg) sowie die Landtagsabgeordneten Bernd Murschel (Grüne) und Sabine Kurtz (CDU) und der Bundestagsabgeordnete Marc Biadacz (CDU) dabei. Faißt und Biadacz beispielsweise waren bis dahin Verfechter des Ansatzes, den Lückenschluss vor der A 81 umzusetzen. Das Ministerium und Bernd Murschel sahen darin keine Chance. Anlass für das gemeinsame Treffen, zu dem das Ministerium eingeladen hatte, waren die immer tiefer werdenden Gräben zwischen den Beteiligten.

Man habe noch einmal deutlich gemacht, dass die Planungen zur A 81 viel weiter fortgeschritten seien als die zum Lückenschluss, sagte der Sprecher des Verkehrsministeriums, Edgar Neumann, auf Anfrage. Die Arbeiten daran könnten selbst ohne die Autobahn nicht vor 2024 starten. „Das wäre ein Stück aus dem Tollhaus, die Planungen für die A 81 abzubrechen und beim Lückenschluss weiterzumachen“, so Neumann. Immerhin gehöre zum Autobahnausbau auch eine Deckelung als Lärmschutzmaßnahme.

Was daran verwundert: Neu sind diese Argumente nicht. Schon mehrfach wurden sie vom Ministerium genannt, doch der Streit ging trotzdem weiter. Woher also der plötzliche Sinneswandel? „Ob die anderen jetzt wirklich aus vollem Herzen überzeugt sind, weiß ich nicht“, so Neumann. Aber man sei jetzt zu einem guten Miteinander gelangt. Alle Beteiligten „ziehen an einem Strang“, heißt es in der Pressemitteilung. Der Grund dafür liegt vor allem in der Chance, Teilprojekte des Lückenschlusses schon vorzuziehen, wie es der Kreistag angeregt hatte. „Ich freue mich, dass es uns gelungen ist, mit unserer Machbarkeitsstudie einen Weg für vorgezogene und entlastende Maßnahmen zum Lückenschluss aufzuzeigen“, erklärt Roland Bernhard.

Ergebnis ist eine Kompromisslösung

Bekanntlich dürfen die Arbeiten am Lückenschluss und an der Autobahn nicht parallel stattfinden. Denn die Bundesstraßen müssen als Umleitungsstrecke für die A 81 offen bleiben. Einige äußerten jedoch die Hoffnung, vor allem aus dem Landkreis Böblingen, dass Arbeiten am Lückenschluss, die nicht mit den anderen zusammenhängen, vielleicht doch schon früher erledigt werden könnten, um wertvolle Zeit zu gewinnen. Und tatsächlich: Neben der bereits angekündigten Verbesserung des Provisoriums sollen auch die Planungen für die Südumfahrung möglichst bald beginnen. Dabei handelt es sich um eine Verlängerung der K 1008 aus Richtung Magstadt, die die B 295, die Magstadter Straße und die Bahngleise kreuzen soll. Allerdings fehlt dafür noch das Okay vom Bund.

Freudensprünge sind im Renninger Rathaus trotzdem ausgeblieben. Dort hatte man sich das anders vorgestellt. Das Ergebnis der Gespräche sei eine Kompromisslösung, sagt Renningens Bürgermeister Wolfgang Faißt auf Anfrage. Zumindest aber eine, von der ein „positives Signal“ an alle Renninger ausgehe, wie es in der Mitteilung heißt. „Eine Entlastung durch die Südumfahrung und weitere vorgezogene Maßnahmen sind wichtige Schritte zur Entlastung der Verkehrssituation.“

Der Autobahnausbau beginnt im Jahr 2020 und soll 2026 abgeschlossen sein. Von da an können dann die Hauptarbeiten am Lückenschluss beginnen.

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