Ausstellung zu Herbert Linge Hommage an eine Rennfahrlegende

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Die Rennfahrlegende Herbert Linge hat noch heute viele Bewunderer. Foto: Bartek Langer

Weissach - Mit dem rubinroten „Monte-Elfer“ verbindet Herbert Linge eine ganz besondere Anekdote. Bei der prestigeträchtigen Rallye Monte Carlo im Januar 1965 kämpfte er sich in diesem Wagen mit seinem Beifahrer Peter Falk durch die Schneemassen in den französischen Seealpen und landete auf dem fünften Platz in der Gesamtwertung – die Jungfernfahrt des neuen 911ers gipfelte in einer Weltsensation. „Dabei war er nur ein Überführungsfahrzeug”, erzählt er. „Wir sollten ihn ganz gemütlich nach Monte Carlo fahren, um ihn dann bei der Siegerehrung im Fürstenhof der Presse zu zeigen.“ Doch als sie gemerkt hatten, wie gut er auf Schnee ging, haben sie „ein bisschen Gas“ gegeben.

Diesen und weitere Rennboliden aus dem Porsche-Museum gibt es ab Freitag bei einer Ausstellung des Oldtimer Clubs Weissach in der Strudelbachhalle zu sehen. Das Ganze ist eine Verneigung vor Herbert Linge, der im Laufe seiner 20-jährigen Rennkarriere mehr als 90 Klassensiege, etliche Rekorde und vier Weltmeistertitel für Porsche erfuhr und damit dem Autobauer zum Weltruhm im Motorsport verhalf. Welche Bedeutung der Mann, der im kommenden Juni 90 Jahre alt wird, für den Sportwagenhersteller hat, zeigt am besten ein Zitat des ehemaligen Porsche-Rennleiters Peter Falk: „Ohne ihn war und ist Porsche nicht vorstellbar.“

Dabei hatte der Weissacher nie einen Vertrag als Werksfahrer unterschrieben. Weil er aber als Mechaniker die Sportwagen in der Startaufstellung reparieren und dann noch im Rennen ganz vorne mitfahren konnte, durfte er auch regelmäßig hinters Steuer. „Wenn mal einer fehlte, dann hieß es: Da kann doch Linge fahren!“, erzählt Linge, der schon zuvor kleinere Motorradrennen gefahren war und daher eine Rennlizenz besaß.

Durchbruch bei der Mille Miglia

Den Durchbruch als Rennfahrer schaffte er bei der legendären Mille Miglia in Italien im Jahr 1954, da war er Beifahrer des Profi-Piloten Hans Herrmann. Die beiden ließen im Spyder mehr als 300 Autos hinter sich und wurden nicht nur Klassensieger, sondern auch Sechste im Gesamtklassement. Dabei hatten sie Glück, dass sie überhaupt ins Ziel kamen. Zwischen Pescara und Chieti rasten sie mit 160 Sachen auf eine Bahnschranke zu, die aber schon unten war. „Am Ende fuhren wir mit eingezogenen Köpfen unter der Schranke hindurch und hatten noch gehört, wie der Zug kam“, erzählt er. Später folgten Erfolge bei der Rallye Lüttich-Rom-Lüttich, bei dem mexikanischen Straßenrennen Carrera Panamericana und beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans, um nur einige zu nennen.

Seinen letzten Auftritt im Cockpit hatte er in Hollywood – 1970 bretterte er im Film „Le Mans“ mit dem neuen Porsche 917 über den Asphalt. „Die Versicherung hatte es abgelehnt, dass Steve McQueen ins Auto steigt, und so durfte ich ihn doubeln“, erklärt Linge. Der Schauspieler kannte ihn von früheren Rennen und wusste um sein Können. Doch Linge machte sich nicht nur im Motorsport verdient. Er ist ein Porsche-Pionier und war einer der ersten, die bei dem Sportwagenhersteller in die Lehre gingen. „Damals bin ich morgens und abends die 20 Kilometer nach Zuffenhausen geradelt”, berichtet er und erinnert sich, wie Ferdinand Porsche täglich in die Werkstatt kam, um nach dem Rechten zu sehen.

In den Fünfzigern wurde er in die USA abgeordert, dort sollte er den Porsche-Kundendienst aufbauen. Nicht selten war er aus Kostengründen mehrere Tage mit dem Auto unterwegs – bis er seinen Mitarbeiter Rolf Wütherich einstellte, der sich auch um einen gewissen Kunden namens James Dean kümmerte. Dieser war später Beifahrer des verunglückten Filmstars.

1982 erhält er das Bundesverdienstkreuz

Ende der Sechziger stellte ihn Ferdinand Piëch vor die Wahl – Werksfahrer oder Betriebsleiter im Weissacher Entwicklungszentrum? Linge entschied sich für Letzteres und zog die erste Abteilung auf, bevor er 1993 in den Ruhestand ging. Dass das EWZ vor seiner Haustür entstand, lag nicht zuletzt an ihm selbst. Auf der Suche nach einem Gelände für eine Teststrecke, hatte Linge Ferry Porsche das Heckengäu vorgeschlagen. Beim Blick auf die „schönen Äcker“ bei Münchingen fasste er sich als Meister der Versuchswerkstatt ein Herz und sagte: „Herr Porsche, wenn Sie noch 20 Minuten weiterfahren, wüsste ich ein Gelände, wo außer Schlehen und Disteln nichts wächst.“ Weissach wurde Porsche-Standort und Linge Ehrenbürger.

Nebenher sorgte er für mehr Sicherheit im Rennsport und gründete die Oberste Nationale Sportkommission für den Automobilsport (ONS). Nachdem in den 60er Jahren viele Fahrer tödlich verunglückten, darunter auch einige seiner engen Freunde, erarbeitete er ein Konzept, wonach mobile Sicherungsstaffeln zum Einsatz kamen. Das Musterauto von 1972 basierte auf einem Porsche und ist ebenfalls in der Strudelbachhalle zu sehen. Später wurde die ONS-Staffel auch in der Formel 1 zum Standard. Dafür erhielt der Weissacher 1982 das Bundesverdienstkreuz.

Und jetzt gibt es noch eine ihm gewidmete Ausstellung, über die er nicht weniger erfreut ist. „Es ist eine große Ehre für mich, dass es so viele Jahre nach meiner aktiven Tätigkeit noch eine Menge Leute gibt, die sie zu würdigen wissen“, sagt der bodenständige Mann. Neben Porsche-Flitzern erinnern auch 50 großformatige Werbeplakate des Böblinger Fotografen Holger Stampe, eine Art „malerische Fotografie“, an die alten Rennzeiten – wie auch kurze Sequenzen, die Linge damals mit seiner Super-8-Kamera vor und nach den Rennen aufgenommen hat. Bei der Vernissage sind auch seine alten Weggefährten dabei, darunter Hans Herrmann, Kurt Ahrens, der Leonberger Eberhard Mahle oder Dieter Glemser aus Warmbronn. „Nur ein einziger hat abgesagt!“, sagt er nicht ohne Stolz.


Eröffnet wird die Ausstellung in der Strudelbachhalle mit einer Vernissage am Freitag, 2. März, um 17.30 Uhr, bei der neben Herbert Linge auch weitere Rennfahrer interviewt werden. Am Samstag und Sonntag ist die Ausstellung zwischen 10 Uhr und 18 Uhr geöffnet. Für das leibliche Wohl sorgen die Landfrauen. Der Eintritt ist frei.

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