Ausstellung von André Wendland Köpfe – melancholisch, skeptisch, selbstbewusst

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André Wendland (rechts) präsentiert seine Werke in Rutesheim. Foto: factum/Bach

Leonberg - Knisternde Spannung und Dramatik im Bürgersaal: Das James-Bond-Thema bildet den Auftakt zu einem ungewöhnlichen Abend, den das überaus engagierte Kulturforum organisiert hat. Mit Temperament, Spielfreude und auf hohem Niveau musiziert die Big Band der Leonberger Gymnasien ASG und JKG unter Leitung von Daniel Siegel.

Aziza West (ASG) fasziniert in „No Roots“ mit ihrer Hammer-Stimme, die man der zierlichen Persönlichkeit gar nicht zutraut – und für die seit 1. April im Amt befindliche Bürgermeisterin Susanne Widmaier heißt es passenderweise „Back to the roots“, denn sie selbst war Schülerin am JKG, ihre Kinder büffelten am ASG, und sie trifft heute viele einstige Klassenkameraden wieder. Sie freut sich ausdrücklich, dass es in Rutesheim so ein aktives Kulturforum gibt.

Gesichter im Mittelpunkt

Aber im Mittelpunkt steht an diesem Freitagabend André Wendland und seine Kunst: Sein Interesse gilt Gesichtern. Das Geheimnis des Gesichts hat Künstler aller Epochen und Stilrichtungen seit jeher fasziniert, da der Kopf als Sitz des Bewusstseins, der Seele, und damit als Symbol für den Menschen schlechthin gilt.

Susanne Käfer vom Kulturforum führt mit dem Künstler ein einführendes Gespräch über seine Arbeit. André Wendland, ein schlaksiger junger Mann mit Bart und John-Lennon-Brille, sieht aus, als habe er soeben sein Abitur gebaut – und tatsächlich: 1995 ist er in Leonberg geboren, hat 2014 seine Fachhochschulreife am Gymnasium Rutesheim abgelegt, war danach im Rahmen des FSJ bei der „Lebenshilfe Leonberg“, wo er bis heute ehrenamtlich mitarbeitet. Seit Oktober 2017 absolviert er ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe.

Am Anfang war er sehr realistisch

Seine Porträts – (Sur)Face – zeigen ganz unterschiedliche Gesichter: großformatig, sehr farbig in kühlen Tönen, häufig weiblich und auch aus anderen Kulturkreisen. Als er 2015 seine ersten Bilder gemalt habe, seien diese noch sehr realistisch gewesen. Dann seien sie zunehmend farbiger geworden, erzählt Wendland. Dabei hat ihn der brasilianische Künstler Harding Meyer mit seinen fotorealistischen Porträts inspiriert und auch gefördert.

Sein Bildnisse zeigen melancholische („She moves“), skeptische („See you“) oder auch herausfordernd selbstbewusste Gesichter. Sein erstes Akademiebild ist zweigeteilt: Am Anfang stand ganz pragmatisch die Frage: „Was mache ich mit den zwei länglichen Teilen?“ Dann wird die Arbeit zur Reflexion und Selbstreflexion über den „right way“, den der Künstler für sich selbst auch erst finden muss.

Manche Gesichter sind mit geometrischen Elementen verfremdet: Kreiselemente, „Circle Elements“, die wie Seifenblasen den Porträts Leichtigkeit verleihen. Die Kirsche auf dem Sahnehäubchen ist dann der Film, den der Künstler mit einer GoPro-Kamera im Zeitraffer von der Entstehung seiner Werke aufgenommen hat. Das Publikum sieht verblüfft, wie die Kunstwerke als „Work in Progress“ von der groben Skizze anhand eines Fotos schrittweise und in mehreren Schichten Kontur, Farbigkeit, Tiefe und Ausdruck gewinnen – ganz besonders ein faszinierendes Salvador-Dali-Porträt.

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