Ausstellung in Rutesheim So ähnlich sind sich Deutschland und Afghanistan

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Fotos können über Sprachbarrieren hinweghelfen. Foto: factum/Bach

Rutesheim - Afghanische Männer, die in orientalischen Gewändern auf dem staubigen Wüstensand tanzen. Ein Bild, das für uns vor allem eins ist: fremd. Oder doch nicht? Unter der Fotografie im weißen Rahmen hängt noch ein Bild. Zu sehen sind diesmal Männer in Lederhosen, mit weißen Strümpfen und Hosenträgern. Die Herren tanzen Schuhplattler. „Die afghanischen Männer tragen genauso wenig jeden Tag ihre festlichen Gewänder, wie die deutschen. Schließlich ziehen die meisten hier ihre Tracht auch nur zu speziellen Anlässen an“, sagt Silvia Maier-Lidle von der evangelischen Landeskirche.

Sie bringt in Ludwigsburg Ehrenamtliche und Geflüchtete zusammen. Aber was macht sie dann in der Rutesheimer Christian-Wagner-Bücherei? Das war die Idee von Karl Schumacher, Mitglied im dortigen Freundeskreis der Flüchtlinge. Er war auf Anhieb begeistert von dem etwas anderen Fotoprojekt und holte die Vernissage hierher.

Gemeinsamkeiten statt Unterschiede

„Wir wollten die Geflüchteten aus den Sporthallen, zumindest für ein paar Stunden, herausholen und ihnen ein Stückchen Normalität ermöglichen“, erklärt Maier-Lidle. Bis zu 250 Menschen, syrische und afghanische, sind dort untergebracht. Die Geflüchteten aus Syrien sind wegen des dort herrschenden Bürgerkriegs in Deutschland anerkannt und können entsprechend auch gleich an Integrationsprojekten teilnehmen. Das Problem: Die Afghanen nicht.

Für die Ehrenamtlichen mit kirchlichem Hintergrund war damit klar, zunächst den Fokus auf die Hilfe für die afghanischen Geflüchteten zu legen. Bei der Zusammenarbeit kam immer wieder die Frage auf: „Wie ist das bei euch zu Hause?“ Und weil es für einige Geflüchtete anfänglich nicht leicht war, sich auf Deutsch zu unterhalten, halfen neben Gesten vor allem eins: Bilder. So entstand die Idee für das außergewöhnliche Fotoprojekt. Unter dem Motto „Gemeinsamkeiten finden, statt Unterschiede“ machten sich Ehrenamtliche und Geflüchtete an die Arbeit. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

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