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Amerikanische WeihnachtKein Kamin für Santa Claus

Gerlinde Wicke-Naber, vom 23.12.2012 20:00 Uhr
Lucas, Shayanne, Payton und Nicole Hoskins (von links) Foto: factum
Lucas, Shayanne, Payton und Nicole Hoskins (von links)Foto: factum

Böblingen - Wie soll Santa Claus bei uns ins Haus kommen?“, will Shayanne von ihrem Vater wissen. Das ist in der Tat ein Problem. Denn Shayanne stammt aus den USA. Dort heißt der Weihnachtsmann Santa Claus. Der rauschebärtige Geselle fliegt mit einem Schlitten umher, die Pakete wirft er durch den Kamin. Doch nun ist Syhayannes Vater, der Staff Sergeant Lucas Hoskins, seit einigen Monaten in der Böblinger Panzerkaserne stationiert. Die Familie lebt in einer Wohnung auf dem umzäunten Militär-Areal – und diese hat keinen offenen Kamin.

Doch ein gestandener Soldat wie Hoskins ist es gewohnt, logistische Probleme zu lösen. „Ich habe mich mit Santa Claus getroffen und ihm einen Schlüssel von unserer Wohnung gegeben“, beruhigt er Shayhanne und deren Schwester Payton. Und so werden die Mädchen am Morgen des 25. Dezember wohl ihre erhofften Geschenke vorfinden.

Alle paar Monate gibt es einen Umzug

Vieles ist anders, wenn man fern der Heimat Weihnachten feiert. Für die Hoskins ist es bereits das zweite Mal. Im vergangenen Jahr waren sie in Heidelberg, wo Vater Lucas für den Militär-Radio-Sender AFN arbeitete. Nun wurde die Abteilung nach Böblingen verlegt. Lucas Frau Nicole ist es gewohnt, alle paar Monate umzuziehen. Die 30-Jährige stammt aus einer Army-Familie. Schon ihr Ur-Opa war Soldat, genau wie der Großvater und die Mutter. Und auch Nicole lernte ihren gleichaltrigen Ehemann zunächst als Kollegen bei der Armee kennen. In den vergangenen Jahren sind die Hoskins schon mehrmals umgezogen, von einem Militärstandort zum nächsten. Doch im Ausland sind sie zum ersten Mal. Das erste Weihnachten auf der anderen Seite des Atlantiks hat die junge Mutter in keiner guten Erinnerung: „Es war ein Tag wie jeder andere. Es wollte keine Weihnachtsstimmung aufkommen.“ Gefehlt habe vor allem die Verwandtschaft, erzählt ihr Mann. Er ist es gewohnt im großen Kreis zu feiern: „Am Weihnachtsabend gibt es stets ein Essen mit Eltern, Geschwistern und Cousins.“

Dieses Jahr hat sich die Familie vorbereitet. Nicoles Mutter Kay Baycom ist vor einigen Tagen angereist. Am Abend des 24. feiern die Hoskins gemeinsam mit einigen Nachbarsfamilien aus der Militärsiedlung. „Die Armee ist meine Ersatzfamilie, die Soldaten meine Schwestern und Brüder“, sagt Lucas. Etwa 20 Erwachsene und Kinder werden sich im Wohnzimmer der Hoskins versammeln. Lucas hat den Truthahn vorbereitet und Bier gebraut: „Das war schwierig, weil ich keinen Raum mit gleichbleibender Temperatur habe.“ Nicole und ihre Mutter kümmern sich um den Rest. Natürlich gibt es auch Weihnachtsgebäck: quietschrosa und sehr süß. Man wird um den mit Zuckerstangen geschmückten Plastikbaum sitzen, Erinnerungen austauschen und an die Verwandten zuhause denken.

Fans von Glühwein und Currywurst

Und was bekommt die junge US-Familie von den deutschen Weihnachtsbräuchen mit? „Glühwein und Currywurst“, sagt Lucas Hoskins. Diese hat er auf den unzähligen Weihnachtsmärkten schätzen gelernt. Auf dem Esslinger Markt sind sie gewesen, in Ludwigsburg, Stuttgart, Heidelberg und Mannheim. Und gestern haben sie sogar einen Abstecher nach Nürnberg gemacht.

Der Höhepunkt des Fests für die Kinder ist dann morgen früh. Sobald sie wach sind, trapsen sie ins Wohnzimmer und schauen nach, ob Santa Claus auch die Geschenke gebracht hat. „Eine rosa Gitarre“, wünscht sich die fünfjährige Shayanne, eine neue Babypuppe die zweijährige Payton.

Dann ist Weihnachten auch schon vorbei. Nur einen Feiertag gibt es in den USA. In den vergangenen Jahren hatte der Präsident Obama seinen Landsleuten einen zweiten Tag geschenkt. Doch die Wahlen sind vorbei. Und so wird Lucas Hoskins am zweiten Weihnachtsfeiertag, wenn viele Böblinger zum nächsten Verwandtenmarathon aufbrechen, wieder an seinem Arbeitsplatz in der Panzerkaserne sitzen.

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