Altjahrabend in Leonberg OB: Die Stadt muss in Wohnraum investieren

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2018 wird ein gutes Jahr: Martin Kaufmann auf dem Marktplatz. Foto: factum/Weise

Leonberg - Ein bisschen Gänsehaut habe ich schon“. Der Redner macht aus seinem Lampenfieber keinen Hehl. Erstmals steht der Oberbürgermeister an seiner neuen Wirkungsstätte vor einem großen Publikum, das nicht, wie bei seiner Amtseinführung vor genau einem Monat, vornehmlich aus Honoratioren besteht.

Martin Kaufmann spricht vor „seinen“ Bürgern. Und von denen sind hunderte gekommen, um die Altjahrabend-Premiere des Stadtoberhaupts zu verfolgen. Der Marktplatz ist voll im Dämmerlicht des Silvesterabends. Und auch eine Stunde später drängen sich die Menschen auf dem Eltinger Kirchplatz dicht an dicht.

Zwei Auftritte an einem Abend

Kaufmann hält nicht nur an der Tradition einer lokalen Neujahrsansprache fest, die sein Vorgänger 24 Jahre gepflegt hatte. Er belässt es auch bei den zwei Auftritten auf dem Marktplatz und auf dem Kirchplatz, um so beiden Teilen der Kernstadt gerecht zu werden.

Wie Bernhard Schuler geht auch Martin Kaufmann auf die große Politik ein, plädiert mit Blick auf Trumps Wahl und deren Folgen für ein Festhalten an den demokratischen Grundwerten und vergleicht die AfD mit einem trojanischen Pferd, das keinen Sattel hat und somit keinen Halt gibt.

Ersten großen Applaus auf dem Marktplatz gibt es, als Kaufmann an den Altjahrabend vor zwölf Monaten erinnert. Damals hatte Schuler zur allgemeinen Überraschung erklärt, dass er nicht mehr kandidiert. „Ich möchte die Gelegenheit hier noch einmal gerne nutzen, um Herrn Oberbürgermeister a.D. Bernhard Schuler meinen Dank und Respekt für die geleistete Arbeit auszusprechen.“

Dann kommt der OB sofort zum heißen Eisen Wohnraum. Und setzt neue Akzente: „Wenn jemand glaubt, dass Investoren günstigen Wohnraum schaffen, so täuscht er sich. Die Unternehmen gehen alle der Maxime der Profitsteigerung nach. Das heißt, die Stadt Leonberg muss selbst investieren und subventionieren.“

Prozentpauschale reicht nicht

Eine bemerkenswerte Aussage, die all jenen Überlegungen eine Absage erteilt, dass es vor allem Privatfirmen schon richten könnten. Ein pauschaler Prozentsatz, so spielt Kaufmann auf die 25 Prozent bezahlbaren Wohnraum an, die der Gemeinderat in neuen Stadtquartieren gerne haben möchte, dürfe nicht das entscheidende Kriterium sein, sondern vielmehr die tatsächliche Nachfrage. Und die übertreffe das Angebot bei weitem.

Deshalb müsse die Stadt den sogenannten Flächennutzungsplan, eine Art Fahrplan für die bauliche Weiterentwicklung der Stadt, „unverzüglich“ aktualisieren, um so die planerische Grundlage für neue Wohnviertel zu schaffen:. „Wir können es uns als prosperierende Stadt nicht erlauben, dass unsere Kinder aus Kostengründen in die umliegenden Gemeinden ziehen und täglich längere Strecken zur Arbeit pendeln müssen“. Eine Aussage, die im Gemeinderat mit Nachdruck von der SPD vertreten wird.

Neuausrichtung der Wirtschaftsförderung

Martin Kaufmann bedankt sich bei den Steuerzahlern, insbesondere den Unternehmern, die zur stabilen Wirtschaftslage der Stadt beitragen, mahnt aber auch zum Schuldenabbau. Wobei der OB damit nicht nur die rund 100 Millionen Euro Dauerschulden, sondern auch „einen Investitionsstau bei unseren Liegenschaften“ meint.

Kaufmann lässt in seiner ersten Altjahransprache keinen Zweifel an seinen persönlichen Prioritäten. Neben dem Thema Wohnen ist dies eine „Neuausrichtung der Wirtschaftsförderung“. Kaufmann hatte bereits im Wahlkampf erklärt, dass er es bei der bisher mit einer Kraft besetzten Wirtschaftsförderung nicht belassen will.

Weiter besonders am Herzen liegen die „Belebung unserer wunderschönen Altstadt“, schnelles Internet mittels Glasfaser und natürlich das tägliche Stauchaos in und um Leonberg. Kaufmann beruft sich auf den Verkehrsminister Winfried Hermann, der bei dessen Amtseinsetzung der Stadt die Hilfe des Landes zugesagt hatte: „Da nehmen wir Sie sehr gerne beim Wort“.

Bei all den Aufgaben will der neue Rathauschef nicht nur den Gemeinderat und die Verwaltungsmitarbeiter, sondern auch die Bürger einbinden. „Dabei darf es keine Kreativitätsblockaden geben“, zitiert er aus einem Kommentar unserer Zeitung.

Statt des bekannten Leonberger Dreiecks, das die Stadt als eine der Stauhauptstädte Deutschlands bekannt mache, will Kaufmann ein „inneres Dreieck“ entwickeln: eine Verbindung zwischen dem Bahnhof, dem Leo-Center und der Altstadt.

Wir machen gemeinsam etwas draus

Erstmals spricht der OB den unwirtlichen Zustand des Bahnhofsgebäudes an, das dringend saniert gehöre. Um seine Vision vom inneren Leonberger Dreieck in die Tat umzusetzen, will Kaufmann noch im Januar Gespräche mit unterschiedlichen Institutionen und Behörden führen.

Beispielhaft für alle engagierten Vereine bedankt der Oberbürgermeister sich beim Ökumenischen Bläserkreis, der Stadtkapelle Leonberg, der Lyra Eltingen und dem Posaunenchor, die beide Veranstaltungen musikalisch gestalten. Kaufmann, dies sei nicht verschwiegen, würdigt auch die Arbeit unserer Zeitung als engagierte Begleiterin des städtischen Lebens.

Sein Versprechen: „2018 wird ein gutes Jahr, weil wir gemeinsam etwas draus machen.“ Freundlicher Applaus für den OB.

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