11.11. in Weil der Stadt Narrenzunft blickt in die Zukunft

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Der alte Kepler schaut dem Narrentreiben gelassen zu (hinten). Der neue Kepler (vorne) ist dagegen mobil und beweglich und winkt dem 7-Rat zu. Foto: factum/Bach

Weil der Stadt - Och nööö, ist es schon wieder so weit? Ketzerische Zungen mögen diesen Satz gedacht haben, als am Samstagvormittag das Verkehrsschild „Achtung Narrentreiben“ abgestaubt und aufgestellt wird. Pünktlich um 11.11 Uhr – mit der obligatorischen 11 Minuten Verspätung – startet schließlich auch die Weil der Städter Narrenzunft in die neue Saison.

Die Abtrünnigen in der Fasnets-Hochburg haben dabei völlig verkannt, welch staats- und stadttragende Funktion die Fastnachter in Weil der Stadt haben. Weisen sie doch auf alle Probleme hin – und geben weit darüber hinaus gehende Einblicke. In diesem Jahr war das verrückte Kepler-Denkmal auf dem Weiler Marktplatz Thema der Rede von Zunftmeister Daniel I. Kadasch. Das hat nicht seinen Verstand verloren, die Stadtverwaltung habe aber vor, seinen Standort zu verrücken.

11.11. ist in diesem Jahr ein Samstag

„Drum steht dringend die Neugestaltung des Marktplatzes an / und nix kann bleiben an seinem alten Platz, auch nicht der Kepler-Mann“, ruft Daniel seinen narreten Närrinnen und Narren zu, die dankbar sind, dass der 11.11. in diesem Jahr auf einen Samstag fällt und deshalb viel zahlreicher als sonst erscheinen.

Viel konstruktiver, als ein zu verrückendes Kepler-Denkmal, dagegen der Vorschlag des 7ner-Rates. Sie haben den Wagenbau beauftragt und ihre Idee gleich mitgebracht – ein bewegliches Kepler-Denkmal, in dessen Gesichtszügen Kenner den hiesigen Sonderschulrektor Volker Philipin erkennen. „Und isch’s mal dreckig hier am Ort / dann fährt man zum Fegen das Denkmal einfach kurz fort“, erklärt der Zunftmeister. Ferngesteuert ist das mobile Denkmal übrigens auch – zum Glück, wie Daniel Kadasch mit Blick auf den Bürgermeister und seine Erste Beigeordnete findet. „Susi und Strolchi hen dann endlich was zum do / da semmer alle zamma richtig froh“, ruft er.

Welches Thema ist es dieses Jahr?

Beim Fasnets-Auftakt ist es guter Brauch, dass die Narren ein lokalpolitisch aktuelles Thema aufgreifen und wichtige und richtige Kritik üben. Welches Problem indes ist es in diesem Jahr, fragt sich da manch einer, innerlich sämtliche Zeitungsausgaben der vergangenen Monate durchblätternd.

An der Marktplatz-Umgestaltung wird in der Verwaltung intensiv gearbeitet, darüber beraten hat aber hat der Gemeinderat zuletzt nicht, jedenfalls nicht öffentlich. Hat da also der Narrenboss Michael Borger etwas ausgeplaudert, was er als Stadtrat (Freie Wähler) nur aus einer nicht-öffentlichen Sitzung weiß?

Borger errötet leicht, als ihm diese Frage gestellt wird. „Stand das nicht in der Zeitung?“, will er wissen, muss dann überlegen. „Natürlich sind das nur konstruktive Ideen, die wir hier vorschlagen“, sagt er dann. Soll da noch mal einer behaupten, die Fasnet bedürfe es nicht.

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